Zahlensymbolik

 

 

"Das ganze Leben ist ein Versuch. Je mehr Versuche du durchführst, desto besser."

- Ralph Waldo Emerson

 

 


Pentacle Agrippa

Pentacle Agrippa-via Wikimedia Commons.




Unter Zahlensymbolik versteht man die Zuweisung von Bedeutungen an einzelne Zahlen oder Zahlenkombinationen, wobei die Zahlen eine sinnbildliche Funktion erhalten. In manchen philosophischen oder religiösen Lehren und Traditionen wird behauptet, dass zwischen den Zahlen und den Bedeutungen ein objektiver Zusammenhang bestehe. In diesen Fällen spricht man auch von Zahlenspekulation, Zahlenmystik und Numerologie (von lateinisch numerus „Zahl“)

 

 

Im Gegensatz zum mathematischen Zahlenverständnis, bei dem Zahlen rein formal charakterisiert werden, charakterisiert die Zahlensymbolik Zahlen inhaltlich, indem sie ihnen feste Zusammenhänge mit realen oder angenommenen nichtmathematischen Dingen bzw. Sachverhalten zuschreibt. Diese Zusammenhänge werden dabei als objektive Realitäten im Sinn von Naturgegebenheiten betrachtet. Es wird versucht, aus den Zahlen auf das Wesen der zahlensymbolisch mit ihnen gekoppelten Dinge zu schließen, oder es werden den Zahlen nichtmathematische Eigenschaften zugeschrieben, die dem Bereich der ihnen zugewiesenen Dinge entnommen sind. Dabei werden oft auch Werturteile über die Dinge auf die entsprechenden Zahlen übertragen oder Werturteile über die Zahlen auf mit ihnen zahlensymbolisch verknüpfte Dinge. Jede Zahl erhält einen spezifischen Charakter, eine individuelle Qualität und Eigenschaften wie beispielsweise "männlich", "weiblich", "glückverheißend" oder "heilig".

Einen Ausgangspunkt für Spekulationen der Zahlensymbolik bilden unter anderem Zahlen, die in Naturgegebenheiten wie den Mondphasen oder grundlegenden kulturellen Konventionen wie der Siebentägigkeit der Woche eine Rolle spielen. Hierzu gehört insbesondere die Bedeutung der Zahl Zehn aufgrund der Anzahl der Finger sowie im Dezimalsystem.

 

 

 

Das grundlegende 1–4-Prinzip: Symbol des Bundes

Das Verhältnis Gott – Welt wird zahlensymbolisch durch das 1–4-Prinzip ausgedrückt: „Die Welt wurde tatsächlich mit der 5 geschaffen, als Eins [und auf Einheit hin], sie hat dies schon in sich. Die 1–4 ist in der Schöpfung eigentlich schon die 5. Nur ist das noch verborgen, es kann noch nicht recht zum Ausdruck kommen.“ Die verborgene Einheit der beiden Seiten der Schöpfung zeigt sich in den beiden Bäumen, die gemeinsam in der einen ‚Mitte’ des Garten Eden stehen: dem Baum des Lebens (= 1) und dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (= 4). Sodann zeigt sie sich im Namen Adam, hebr. a-d-m = 1-4-40, in den vier Flüssen aus dem einen Strom (Gen 2,10), in der Gestalt des Menschen (1 Kopf, vier Gliedmaßen), in seiner Hand (ein opponierbarer Daumen, vier Finger), im Verhältnis von Atem (1) und Herzschlägen (4) sowie im Atem selbst (ein Teil Sauerstoff, vier Teile Stickstoff): „Der Mensch braucht zum Leben die Eins aus der Fünf. Im Wort der Bibel zählt der ‚Baum des Lebens’ genau Eins zur Vier vom ‚Baum des Wissens’.“

Der Kern der Bibel, die Thora, hat von daher fünf Bücher im Verhältnis 1 (Genesis) zu 4 (die anderen vier Bücher Mose). Auch der Begriff Wahrheit, emeth, 1-40-400, drückt dieses 1–4-Prinzip aus (ohne die 1 bleibt ‚meth’ = Tod). Wie die 5 schon die jenseitige Einheit anzeigt, so auch die 50 (als Überstieg über die 49 = 7² der 7-Tage-Schöpfung): „Dass mit der 50 eine neue Welt beginnt, können wir durch die ganze Bibel verfolgen“ (s.u. fünfzig).

Die 500 (400 + 100) drückt das 1–4-Prinzip in der Zukunft als Vollendung der Welt aus. 500 ist die Zahl der Auferstehung (vgl. die 500 Auferstehungszeugen in 1 Kor 15,6) und der Außenmaße des Neuen Tempels analog zum Leib der Auferstehung (Ez 42,20; vgl. Joh 2,20-22). „Es gibt keinen Buchstaben für die 500. (…) Die 500 als Maß gibt also an, dass man diesen Baum des Lebens in dieser Welt, die mit der 400 [dem ursprünglich kreuzförmigen Taw] enden muss, nicht wird umfassen können. (…) Doch wird diese 500 wohl einmal zustandekommen. Das ist es, was die Propheten verkünden, aber nicht für die nahe Zukunft, nicht für diese Welt. Die 500 wird zustandekommen, wenn die 300 des Mannes [als Geist-Prinzip] und die 400 der Frau [als Materie-Prinzip] sich selbst erfüllt haben und zu der Einheit zusammengewachsen sind, die das ‚Kind’ hervorbringt, wenn also [nach dem Satz des Pythagoras] die 300² + 400² die 500² ergib

 

 

"So etwas wie Mißerfolg besteht nicht. Es existieren nur Ergebnisse."

- Anthony Robbins

 

 

 


        Babylonische Zahlensymbolik

 

Für altorientalische Religionen wie z. B. in Babylon haben Zahlen eine mystische Bedeutung. Bestimmte Zahlen entsprechen dem Einfluss der Gestirne und Konstellationen

  • eins: Ist das Zeichen für Einheit.
  • zwei: Ist das Zeichen für die Zweiteilung des Weltalls, oben und unten; auch Mond und Sonne, Winter und Sommer wurden damit in Verbindung gebracht.
  • drei: Entspringt der Dreiteilung des Kosmos in drei Sphären der Fixsterne; ebenso Dreiteilung des irdischen Alls in Lufthimmel, Erde und Ozean. Auch die Trias Vater, Mutter, Sohn (En-Ki, Nin-Hur-Sanga, Marduk) lässt sich damit in Verbindung bringen.
  • vier: Die vier Weltecken, vier Weltrichtungen, vier Winde, vier Jahreszeiten, vier Phasen des Mondes usw. stehen damit in Zusammenhang.
  • fünf: Das mystische Pentagramm entstand durch Hinzuziehen der Venus als fünfte Dimension zu den Planeten der vier Weltecken. Die Woche von fünf Tagen, die kosmischen Türme von fünf Stufen sind zu identifizieren.
  • sechs: Zahl des Hadad. Sechs Doppelmonate, sechs Weltalter. Zuweilen wird das Sonnenrad mit sechs Strahlen dargestellt.
  • sieben: Zahl der Gestirne (Sonne, Mond, Planeten Merkur-Jupiter), sieben kosmische Türme mit sieben Stufen, sieben Locken des Gilgamesch, sieben Zweige des Lebensbaums, sieben Plejaden, sieben Hauptsterne am großen Himmelswagen, sieben Namen des Mars, sieben Wochentage mit Hervorhebung des 7. als Unglückstag. Sieben Tage steigt die babylonische Flut, sieben Tage fällt die Flut, sieben Sühneriten, Schlange mit sieben Köpfen oder sieben Zungen. Sieben Tore hat die Unterwelt in der Höllenfahrt der Ištar.
  • acht: Ist die Zahl der Ištar-Venus. Sie wird durch ein 8-strahliges Zeichen dargestellt, verdreifacht bedeutet das Zeichen „Stern“. Acht Richtungen der Windrose, acht Speichen des Glücksrades, acht Tore hat ein Bauwerk Sanheribs.
  • neun: Hervorgehoben in bestimmten Kalendersystemen, zerlegt in 3 x 3; multipliziert mit 3 ergibt den Tag, an dem sich Mond und Sonne die Bestimmung teilen (27).
  • zehn: Zahl des Marduk.
  • elf: Die elf Strahlen Marduks, elfsaitige Harfe aus Telloh.
  • zwölf: Zahl des Nergal. Grundlage des Duodezimalsystems (5 + 7; 5 x 12). Der zwölfjährige Umlauf des Jupiter, Zwölfteilung des Tierkreises, 12 Doppelstunden für den Tag. 12 Schaubrote in den Ritualtafeln, bisweilen auch die Zahl des babylonischen Olymp.
  • dreizehn: Die 13 gehört zur Zwölf. Galt als Glückszahl durch (12 + 1) Götterpaare.
  • vierzehn: Zahl der bösen Dämonen. Verdoppelung der Sieben. Vierzehn Tore hat die Unterwelt in der Legende, vierzehn Nothelfer begleiten Nergal in die Unterwelt. Siehe aber auch die christlichen heiligen Vierzehn Nothelfer in positiver Bedeutung.
  • fünfzehn: Zahl der Ištar. Ruhetag im Mondlauf, Vollmondstag, Nebukadnezar baut in 15 Tagen seinen Palast. Niniveh, Stadt der Ištar hat 15 Tore.
  • siebenundzwanzig: jeden 27. Tag treffen sich Mond und Sonne, um ihre Bestimmung zu teilen.
  • 30: der Mondgott Sin, der meist als d30 geschrieben wird.
  • fünfzig: 50 Ehrennamen des Marduk, 50 Tempel.
  • siebzig: Zahl des vollendeten Kreislaufs.
  • zweiundsiebzig: 72 Älteste; Sonnenrechnung (5 x 72 = 360); Präzessionszahl (in 72 Jahren wandert der Frühlingspunkt um 1 Grad).
  • dreihundertsechzig: Rundzahl des Jahres. 30 x 12 Brote aus Weizenmehl werden beim Tempelbau-Ritus aufgelegt.

Zahl 5:

Pentagramm (griechisch πεντάγραμμος pentágrammos ‚mit fünf Linien‘) ist unter anderem Bezeichnung für eine Form des fünfzackigen Sterns (Fünfsterns), die sich ergibt, wenn die Diagonalen eines regelmäßigen Fünfecks (Pentagon) nachgezogen werden. Verbreitet sind auch die Bezeichnungen Drudenfuß, Pentakel sowie Pentalpha, da es sich durch fünf ineinander stehende Alphas („A“) bilden lässt. Da das Pentagramm fünf Spitzen hat, gibt es zwei grundsätzliche Arten seiner Ausrichtung: mit einer Spitze nach oben (dann zeigen zwei Spitzen nach unten und zwei zur Seite), oder mit einer Spitze nach unten (dann zeigen zwei Spitzen nach oben und zwei zur Seite). Letzteres wird auch als „umgekehrtes“ oder „invertiertes“ Pentagramm bezeichnet.

 

 

 

"Vertraue dir selbst. Du weißt mehr als du dir zutraust."

- Benjamin Spock

 

 

 


Antike

Das Pentagramm war das Symbol der Venus, sowohl des Planeten als auch der Göttin. Es wurde auf einem Krug aus der mesopotamischen Djemdet-Nasr-Zeit, d. h. um 3000 v. Chr., als Ideogramm der sumerischen Göttin Inanna/Ištar gefunden.

Pythagoras kannte es als Symbol für Gesundheit. Ihn interessierte daran besonders der mathematische Aspekt des Goldenen Schnitts. Da man es in einem Zug zeichnen kann und am Schluss wieder zum Anfang gelangt, galt es auch als Zeichen für den Kreislauf des Lebens. Abraxas, Gott der Gnostiker, wurde ebenfalls durch ein Pentagramm symbolisiert, weil er fünf Urkräfte in sich vereint.

In mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Zeit galt das Pentagramm als Bannzeichen gegen das Böse sowie als Zauber- und Abwehrzeichen gegen Dämonen. Der Name Drudenfuß wird zum einen damit erklärt, dass das Zeichen als Schutzzeichen gegen nächtliche Spukgeister, die Druden, angesehen wurde. Es gab aber auch den Glauben, dass Druden selbst einen vogelartigen Fußabdruck hinterlassen, der in etwa dem Pentagramm gleicht.

In Goethes Faust I (Vers 1395 f.) hindert das Zeichen den Teufel Mephistopheles daran, Fausts Studierzimmer zu verlassen:

Mephistopheles: „Gesteh’ ich’s nur! daß ich hinausspaziere / Verbietet mir ein kleines Hinderniß, / Der Drudenfuß auf eurer Schwelle –“
Faust: „Das Pentagramma macht dir Pein?“.

Literatur:

 

  • Michael Stelzner: Die Weltformel der Unsterblichkeit. Vom Sinn der Zahlen – Die Einheit von Naturwissenschaft und Religion, Wiesbaden 1996
  • Friedrich Weinreb: Zahl Zeichen Wort. Das symbolische Universum der Bibelsprache, Weiler i. Allg. 1986
  • Friedrich Weinreb: Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung, 2. Auflage, Zürich 2002

 

  • Karen Gloy u. a.: Zahl/Zahlenspekulation/Zahlensymbolik. In: Theologische Realenzyklopädie Band 36, de Gruyter, Berlin 2004, 
  • Ernst Hellgardt: Zahlensymbolik. In: Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon, Band 14, Bertelsmann, Gütersloh 1993
  • Annemarie Schimmel: Numbers: An Overview. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 10, Thomson Gale, Detroit u. a. 2005, S. 6745–6751
  • Gerd Becker: Das Pentagramm – Symbol in Marokko. Religion, Politik und Magie im maghrebinischen Königreich. Wayasbah, Hamburg 1989,
  • Wikipedia

 

 

 

"Du bist niemals ein Verlierer bis du nicht aufhörst es zu weiter zu versuchen."

- Mike Ditka