Reinkarnation

Alles verändert sich, aber dahinter ruht ein Ewiges.
Johann Wolfgang von Goethe

Die am Anfang der klassischen Antike stehenden, um 800 v. Chr. verfassten Epen von Homer – die Ilias und die Odyssee – kennen keine Reinkarnation. Der älteste schriftliche Nachweis eines Reinkarnationsglaubens in Europa findet sich in der Zweiten Olympischen Ode (476 v. Chr.) des griechischen Dichters Pindar. In später entstandenen Schriften wird auch Pythagoras, der im 6. Jahrhundert lebte, und seinen Schülern eine Reinkarnationslehre zugeschrieben, und Pythagoras galt daher lange als der „Ahnherr“ des Seelenwanderungsglaubens in Europa. Heute gilt es jedoch als wahrscheinlich, dass die Ursprünge derartiger Vorstellungen noch weiter zurückreichen, zumal sie auch in neuerer Zeit in mündlichen Kulturen (die keine Schriftsprache kannten) weit verbreitet waren.

Weitere bedeutende Vertreter der Reinkarnationslehre innerhalb der griechischen Philosophie waren Empedokles (ca. 490–435 v. Chr.) und Platon (ca. 428–348 v. Chr.). Empedokles lehrte, dass die unsterbliche Seele schon vor der Geburt existiert (Präexistenz) und göttlichen Ursprungs ist. Infolge moralisch schlechter Taten müsse sie sich in zahlreichen Verkörperungen reinigen, um ihren göttlichen Status wieder zu erlangen. Dem liegt der Gegensatz der metaphysischen Prinzipien der Liebe und des Hasses zugrunde. Der Hass verleitet Menschen zu Gewalttaten, derentwegen sie sich erneut in menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Körpern inkarnieren müssen. Die Reinigung erfolgt durch Gewaltlosigkeit einschließlich einer vegetarischen Ernährung. Mit den etwa zeitgleichen hinduistischen und buddhistischen Lehren stimmt Empedokles insofern überein, als die körperliche Existenz als leidvoll betrachtet wird. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass er in der Verkörperung den Weg zur Erlösung sieht (durch eine entsprechende Lebensführung), während nach den indischen Lehren die Erlösung durch besondere, darauf angelegte Verrichtungen angestrebt wird

Platon griff die Vorstellungen des Empedokles auf und baute sie weiter aus. Er war der einflussreichste Vertreter der Seelenwanderungslehre in der europäischen Antike. Nach seiner Darstellung lebten die menschlichen Seelen ursprünglich im Bereich der unvergänglichen göttlichen Urbilder oder Ideen. Aufgrund verschiedener niederer Beweggründe entfremdeten sie sich jedoch diesem Zustand unvergänglicher Seligkeit, was schließlich zum körperlichen Dasein führte. Auch im verkörperten Zustand habe die Seele aber noch schwache Erinnerungen an ihr früheres gottgleiches Dasein, und daher strebe ihr höherer Teil, die Vernunft, nach der Erlösung aus dem Gefängnis, als welches Platon den materiellen Körper bezeichnete, während die niederen Begierden die Seele an das Materielle binden wollen. Der Weg zur Erlösung von der körperlichen Existenz besteht nach Platon in der Verwandlung niederer Begierden in Tugenden

„Ich starb als Mineral und wurde Pflanze,
Ich starb als Pflanze und wurde Tier,
Ich starb als Tier und wurde Mensch.
Warum soll ich mich fürchten?
Wann wurd ich weniger durch einen Tod?
Noch einmal werd ich sterben als ein Mensch,
Nur um dann aufzusteigen mit der Engel Segen.
Doch auch vom Engelsdasein muss ich weitergehen …“
(Auszug aus dem Mathnawi von Rumi).

Einen bedeutenden Neueinschlag stellt die Reinkarnationslehre Arthur Schopenhauers dar, die dieser 1844 im Ergänzungsband zu seinem philosophischen Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung formulierte. Darin kombinierte er Elemente hinduistischer und buddhistischer Lehren mit an Kant und Platon anknüpfenden philosophischen Ansätzen. Wiedergeboren wird nach Schopenhauer nur der unbewusste Wille des Individuums, der jeweils „einen neuen Intellekt erhält“. Seine Philosophie und insbesondere die damit verknüpfte Reinkarnationslehre hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den Komponisten Richard Wagner, in dessen Werken das Motiv der Seelenwanderung allerdings nur zeitweilig zur Sprache kam und später durch traditionell-christliche Formulierungen ersetzt wurde. Zu den prominenten Rezipienten Schopenhauers gehörte auch der Dichter Wilhelm Busch, der das Thema der Wiedergeburt des Öfteren aufgriff, ohne dabei selbst klar Stellung zu beziehen

Reinkarnation heisst Wiedergeburt und basiert auf dem Karmagesetz (Gesetz von Ursache und Wirkung). Im Urchristentum existierte die Wiedergeburt- und Karmalehre. 553 n. Chr., im Fünften Ökumenischen Glaubenskonzil in Konstantinopel, wurde der Gedanke an eine Seelenwanderung (Wiedergeburt des Menschen) per Dekret aus der christlichen Glaubenswelt verbannt. Dies bedeutete die Abschaffung des freien Willens und der Selbstverantwortung des Menschen. Die Bewegung gegen die Wiedergeburt begann am Ersten Ökumenischen Konzil von Nizäa, 325. n. Chr., unter Papst Silvester I.

Unzählige Nahtoderlebisse aus über 20-jähriger Forschungsarbeit namhafter Wissenschafter beweisen heute ganz deutlich, dass ein Leben vor- und nach dem Tode existiert. Kaum zu glauben, dass immer noch Zweifel bestehen, obwohl so viele Berichte über vergangene Leben aus absolut zuverlässigen Quellen stammen. Die befragten Menschen haben mit solch detaillierten und präzisen Beschreibungen der Ereignisse aufgewartet und nachprüfbare Informationen geliefert, dass sie diese nicht erfunden oder die ihnen nahestehenden Menschen oder die betreffenden Forscher hätten täuschen können.

Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume, ich leb' in euch und geh' durch eure Träume.
Michelangelo

Der bekannteste Reinkarnationsforscher, der die Wiedergeburtslehre wissenschaftlich bewiesen hat, ist Dr. Ian Stevenson (Buch in Deutsch  erhältlich: Reinkarnation, 20 Fälle.

Was karmisch bedingt ist, ist nicht zu ändern, weil es das höhere ICH will. Es ist das Diktat der eigenen, früheren Handlungen. Als göttliches Geschöpf haben wir die freie Wahl zu tun, was wir wollen oder als richtig empfinden. Doch können wir früheren eigenen Taten nicht ausweichen. Das Karma gibt uns die Kraft, das Schicksal zu meistern. Erkenntnis ist der Weg zur Besserung. In diesem Sinne kann die Astrologie uns den Weg aufzeigen.

Und meine Seele spannte weit meine Flügel aus flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus
Joseph von Eichendorff

Karma im Horoskop

Aus dem Horoskop soll nun abgelesen werden können, was wir an Karma, also aus alten Rückständen aus vergangenen Leben mit in dieses hineinbringen.  Das ganze Horoskop ist karmische. Wir berechnen es auf den ersten eigenen Atemzug des Neugeborenen. In diesem Moment beginnt sein individuellen Leben und auch das Horoskop fängt diesen Moment ein. Bis dahin hat aber gar kein Leben stattgefunden, wenn wir die Zeit im Mutterleib nicht mitzählen, denn welches Karma können wir schon im Mutterleib erzeugen. Karma meint bewirkte Tat. Was haben wir schon im Mutterleib getan?

Das Horoskop stellt diese Moment dar und ist letztlich ein Sammelpunkt des Karmas, was zu dieser Geburt führt. Unser ganzes Leben ist karmisch. Karma beschreibt das Gesetz von Wirkung und Ursache.

Was viele Leute meinen, wenn sie vom Karma in ihrem Horoskop sprechen, sind besondere Herausforderungen, deren Ursachen nicht oder nicht nur in diesem Leben (Eltern, soziale Prägung, Umfeld) liegen, sondern im oder in vergangenen Leben.

Zu den wenigen allgemein gültigen Deutungsregeln zählt die besondere Berücksichtigung des vierten, achten und zwölften Hauses, die dem Element Wasser zugeordnet sind. Im achten Haus offenbart sich danach das in den vergangenen Leben angehäufte Karma, im vierten das jetzige und im zwölften das zukünftige. Der über das achte Haus herrschende Planet Pluto sowie das entsprechende Zeichen Skorpion geben ebenfalls Hinweise auf die karmische Vergangenheit. Über die Frage nach den Aufgaben, die der Mensch auf seinem karmischen Weg zu lösen hat, gibt das Imum coeli, die Spitze des vierten Hauses, Auskunft.

Ebenfalls von großer Bedeutung in der karmischen Astrologie sind der Mond sowie Saturn, der oft als "Herr des Karma" bezeichnet wird. Schließlich spielen die Mondknoten eine wichtige Rolle. Dabei gilt der absteigende Mondknoten als Indikator für die karmische Herkunft. Mit den dort angelegten Themen fühlt sich der Horoskopeigner vertraut. Der aufsteigende Mondknoten zeigt das karmische Ziel an, das bisweilen Angst einflößen kann, da bei dem Weg dorthin nicht auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen werden kann.

Gerne werden auch rückläufige Planeten mit karmischen Aufgaben in Verbindung gebracht, da die ihnen zugeschriebene Wirkung eine introvertierte ist und durchaus auch in die Vergangenheit gerichtet sein kann, wenn es darum geht, "Altes" zu beenden und abzuschließen und es dadurch nochmals präsentiert zu bekommen

Beispiel:

Zwölfte Haus im Widder – Herrscher Mars 

Mit dem Widder verbinde ich vor allem Durchsetzungskraft. Diese fehlt uns ein wenig in diesem Leben. Von daher können wir schließen, dass sie vielleicht ein wenig zu viel im letzten Leben war. Wenn wir uns beispielsweise auf Kosten anderer durchgesetzt und damit Leid erzeugt haben, dann können wir in diesem Leben lernen, wie es ist, nicht so starke Kräfte und Energien zur Verfügung zu haben.

Zwölfte Haus im Stier – Herrscher Venus  

Der Stier steht für Sicherheit, für Sinnenfreude und etwas auch einmal geniessen zu können. Der Geborene mit dem 12. Haus im Stier hat vielleicht in früheren Leben sehr stark dem Hedonismus gefrönt und muss in diesem Leben ein wenig darauf verzichten. Das fällt ihm nicht leicht und er wird alles unternehmen, um doch zu Sinnenfreuden zu kommen. Ähnlich sieht es mit dem Geld und der Sicherheit aus. Es geht darum, Vertrauen zu entwickeln, auch wenn es im Leben scheinbar keine oder wenig Sicherheit geben sollte.

Gustav Klimt Tod und Leben

Klimt-via Wikimdeia Commons.

Literatur

  • Michael Bergunder: Reinkarnationsvorstellungen als Gegenstand von Religionswissenschaft und Theologie, in: Theologische Literaturzeitung 126 (2001), 701-720.
  • Ronald W. Neufeldt: Karma and Rebirth. Post Classical Developments. Albany 1986.
  • Helmut Obst: Reinkarnation. Weltgeschichte einer Idee, Beck, München 2009.
  • Jürgen Pfestorf: Reinkarnation, Wiedergeburt und Auferstehung in den Evangelien. 2. Auflage, Bautz, Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-493-9.
  • Rüdiger Sachau: Westliche Reinkarnationsvorstellungen (= Diss. Marburg 1995). Kaiser, Gütersloh 1996.
  • Perry Schmidt-Leukel (Hrsg.): Die Idee der Reinkarnation in Ost und West. Diederichs, München 1996, ISBN 3-424-01335-8.
  • Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa. Alternative religiöse Traditionen von der Antike bis heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999
  • Dorothée Koechlin de Bizemont: Karma-Astrologie - Das Horoskop als Spiegel vergangener Leben. Knaur Esoterik 1983 ISBN 3426041316
Karma-Astrologie setzt dort ein, wo die normale Astrologie aufhört: bei Leben, die vor dem augenblicklichen liegen. Sie geht davon aus, dass wir viele Leben leben, eines davon jetzt. Die Erfahrungen jener vergangenen Leben spiegeln sich in unserem Geburtshoroskop wider. Deshalb können wir - ausgehend von der Gleichung Charakter=Schicksal - aus ihn nicht nur Charakter und Lebenssituationen dieses Lebens erschließen, sondern ermitteln, was vor diesem Leben passiert sein muss. Die hierfür in Betracht kommenden Techniken und ihre Anwendung werden gut verständlich erklärt. Schwerpunkte: Rückläufige Planeten, Mondknoten, Dekanate, Ayanamsha.
  • Marguerite Manning: Kosmisches Karma (Die Lebensaufabe im Geburtshoroskop erkennen), München 2009, ISBN 978-3-42687412-7
  • Wulfing von Rohr: Karma und freier Wille im Horoskop. Bad Oldesloe 1995, ISBN 9783926925206
  • Claude Weiss: Karmische Horoskopanalyse, Bd. I, Unbewußte Lebenspläne erkennen und verändern. Mondknotenthemen, Saturnthemen und Plutothemen im Horoskop, Zürich 1995
  • Claude Weiss: Karmische Horoskopanalyse, Bd. II, Der Mond als Gefäß karmischer Erinnerungen. Der karmische Neumond. Das Skript als Ausdruck neu entscheidbarer karmischer Prägungen. Zürich 1995