Das innere Kind im Horoskop.

 

„Deine Kinder sind nicht deine Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst. Sie kommen durch dich, aber nicht von dir, und obwohl sie bei dir sind, gehören sie dir nicht. Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken; denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Du kannst ihrem Körper ein Haus geben, aber nicht ihrer Seele; denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen, das du nicht besuchen kannst - nicht einmal in deinen Träumen. Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein, aber suche nicht, sie dir gleich zu machen; denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht beim Gestern. Du bist der Bogen, von dem deine Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden ... Laß die Bogenrundung in deiner Hand Freude bedeuten.“
Kahlil Gibran

Antoine de Saint-Exupéry Kinder müssen mit den Erwachsenen viel Geduld haben --> http://myzitate.de/stichwoerter.php?q=Kinder
Flock of Seagulls (eschipul)

Foto via Wikimedia Commons.

In seiner elementaren Form ist unser inneres Kind die ursprüngliche Motivkraft in uns, die unser persönliches Universum entstehen lässt. Es ist die Kraft in uns, die nach Erfahrungen und nach Sinn sucht, die die Welt gestalten will, der Spieltrieb des Menschen, seine Glücksfähigkeit, die Gabe zu Muße und Schönheit, der Teil, der lieben und geliebt werden will, der vertraut und der immer jung sein kann. Es ist der Forscher, Erfinder und Entdecker in uns, der wissen möchte, wie die Dinge funktionieren oder wie er sie zum Funktionieren bringen kann. Es lässt uns den Zustand von flow erleben: die Versunkenheit in das, was wir gerade tun. Das freie innere Kind lebt aus der Intelligenz seines Herzens, ist auf den Augenblick bezogen und intuitiv und lebt in seiner Welt, in der die Zeit unterschiedlich schnell vergeht, nach eigenen Rhythmen und Gesetzmäßigkeiten. Im Kontakt mit unserem inneren Kind zu sein bedeutet, in Verbindung mit dem Urklang unserer Seele zu sein. Wir stehen an der Quelle unseres Lebens und fühlen das tiefe Glück zu wissen, was wir wirklich wollen und in welche Formen sich dieser Wunsch ergießen kann. Unser inneres Kind als Ursprung, Quelle, Lebensmotiv und Basis unseres Seins teilt sich in zwei Pole auf:

  • das freie innere Kind, das uns durch Freude, Liebe und Erfüllung den Zugang zu unserer Quelle eröffnet.
  • das verletzte innere Kind, das aus der Vergangenheit heraus lebt und die Gegenwart durch den Filter von Erfahrungen des Mangels, der Zurückweisung und Kränkung sieht.

Unsere Kindheit - die Zeit, in der wir ganz offen und am prägbarsten sind - führt uns zu unserem inneren Kind und damit auch zu der Quelle unseres Lebens. Was wir in den ersten Jahren erleben, lässt ein Motiv in uns entstehen, das uns mit großer Kraft, Sehnsucht und einem tiefen Willen erfüllt, etwas Bestimmtes zu tun oder zu erreichen. In dieser Zeit denken wir noch nicht bewusst, wir analysieren und kategorisieren noch nicht auf die Weise, wie wir es später tun können, wenn unsere intellektuellen Fähigkeiten wachsen und wir uns und andere aus einer Distanz betrachten können. Wir sind ganz mit unserem Erleben identifiziert. Daher kennen wir als Erwachsene dieses Urmotiv nicht. Es liegt im vorgedanklichen Bereich und auch seine späteren Ausprägungen durch weitere Erlebnisse in der Kindheit nehmen wir nicht als unsere persönliche Geschichte wahr, sondern als das, was die Welt an sich charakterisiert. So ist die Welt für uns. Entsprechend ist die Frage, die sich mit den Grundfesten unserer Existenz befasst: "Was will ich wirklich in der Tiefe meines Herzens?", die wir auch so stellen können: "Was will mein inneres Kind?

 

 

Alle Kinder idealisieren ihre Eltern; auf diese Weise sichern sie ihr Überleben.


John Bradshaw

Die Dinge, nach denen wir streben, sind die Dinge, in denen sich die Sehnsucht kristallisiert, um die es uns in Wahrheit geht. Wir können sie (noch) nicht in ihrer Essenz formulieren, sondern legen sie in Menschen und Dinge hinein, die für das stehen, worum es uns eigentlich geht. Deshalb sollten wir uns fragen - wenn wir uns z.B. ein Boot oder ein Schiff wünschen: "Was will ich wirklich?" "Welches Gefühl glaube ich zu erleben, wenn ich dieses Schiff habe?" Wofür steht der Erfolg, den ich anstrebe? Wofür die Apotheke, die Praxis oder das Haus, das ich mir bauen will? Was steht noch dahinter außer der Frage, dass wir unseren Lebensunterhalt verdienen oder irgendwo wohnen müssen? Und: Was verbinde ich mit der Sehnsucht nach einem bestimmten Menschen, den ich mir als Partner wünsche? Welches tiefere Bedürfnis hoffe ich zu erfüllen? Besonders Partnerschaften leiden oft darunter, dass wir unterbewusst erwarten, dass der andere unsere frühen Defizite ausgleichen und uns erlösen wird. So kann uns jeder Wunsch ebenso wie alles, was wir ablehnen, zu unseren Urmotivationen und damit zu unserem Wesenskern führen

 

 

 

 

„Der Erwachsene achtet auf Taten, das Kind auf Liebe.“
Aus Indien

Das verletzte innere Kind

In uns allen lebt auch ein Teil, in dem die Erfahrungen gespeichert sind, die mit Angst, Zurückweisung, Nichtgenügen, Mangel, Ohnmacht, Kränkung und Demütigung, Frustration und Enttäuschung zu tun haben. Eltern, die ein Verhalten zeigen, das ihrem Kind diese Empfindungen vermittelt, tragen selbst unbewältigte Verletzungen in sich. Sie kompensieren ihre eigenen seelischen Wunden, Schuldgefühle und Ängste und verhalten sich oft so, wie sie es selbst an ihren Eltern erlebt haben. Meist ist ihnen gar nicht bewusst, was sie ihrem Kind antun. Sie verstehen die Welt des Kindes nicht, denn sie haben vergessen, wie sie damals gefühlt, gedacht und erlebt haben.

Eine "genügend gute Mutter" oder Vater zu haben, ist ein großes Glück. Dennoch werden in Familien über Generationen hinweg Themen weitergegeben, und auch die genügend guten Eltern und eine ideale Umwelt bewahren uns nicht davor, Erfahrungen zu machen, die "uns aus dem Paradies vertreiben" und unseren Lebensweg prägen. Ein Bild dafür ist das Leben Buddhas, der, obwohl sorgsam behütet, mit dem Leid der Welt in Berührung kam und so das erfüllte, was als seine Bestimmung betrachtet werden kann. Wichtig ist zu bedenken, dass Buddha die Möglichkeit hatte, die Augen zu schließen und in sein Wohlleben zurückzukehren. Aber etwas in ihm entschloss sich, seinen ganz eigenen Weg zu gehen und das zu tun, was seinem tiefsten Seelenantrieb entsprach.

Weshalb ist der Erwachsene mit diesen Strategien meist weitaus weniger erfolgreich als das Kind?

Ein wesentlicher Grund ist, dass die Verbindung zwischen dem inneren Kind und dem inneren Erwachsenen zu wenig ausgebildet ist. Besonders dort, wo wir uns verletzt oder traumatisiert fühlen, verharren wir emotional in der Vergangenheit. Das verletzte innere Kind wächst nicht mit. Anders als das freie innere Kind, das Kind im ursprünglichen schöpferischen Sinn bleibt und doch das richtige Maß an Erwachsen-Sein ausbildet, kreisen die Aufmerksamkeit und Energie des verletzten inneren Kindes um die immer gleichen Erfahrungen. Wie verhext scheint es zu sein, wenn sich auch im Leben des Erwachsenen immer wieder die gleichen Erfahrungen mit neuen Menschen und neuen Situationen wiederholen. Das verletzte innere Kind re-inszeniert, was es nicht bewältigt hat, leidet die gleichen Schmerzen und - wächst dabei. Jede Re-Inszenierung bietet die Chance, bessere Lösungen als die bisherigen zu finden. Was in den Kellerräumen unserer Erfahrung liegt, kann vergessen, aber nicht ignoriert werden. Es kommt uns auch als Erwachsene in unterschiedlichen Formen entgegen, oft so gut verpackt, dass wir es erst nach einiger Zeit erkennen. Der Weg zu innerer Freiheit und Selbstbestimmtheit führt durch das Tor des verletzten inneren Kindes.

 

 

 

„Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“
Erich Kästner

 

 

 

Erfahrungen des verletzten inneren Kindes und ihre astrologischen Entsprechungen

Mond / Pluto

(gilt für Skorpion am IC, Pluto im Quadrat zum IC, Pluto im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Pluto, Pluto im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Pluto im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond im Skorpion)

  1. Kontrolle, Unterdrückung
  2. Emotionale Erpressung, unter Druck setzen, sich beklagen oder anklagen, Strafe durch schweigen
  3. Leistungsansprüche, Forderungen, Erwartungen
  4. Macht durch Angst, Leiden, Schuldgefühle, Entsagung
  5. Liebesentzug
  6. Verlangen nicht erfüllbarer Leistungen
  7. Abwerten, ausgrenzen, moralisieren
  8. Ignorieren
  9. Humorlosigkeit

Während des ersten Irak-Krieges wurden amerikanische Luftwaffensoldaten abgeschossen und gefangen genommen. Man zwang sie durch Folter, im Fernsehen aufzutreten und ihren Namen und ihren Dienstgrad zu sagen. Einer von ihnen, ein Pilot, dessen Gesicht deutlich von Misshandlungen gezeichnet war, trat auf und tat, was man von ihm verlangt hatte: Er sagte seinen Namen und seinen Dienstgrad. Nach dieser Übertragung wurden seine Eltern interviewt. Beide waren entsetzt darüber, dass ihr Sohn sich so habe gehen lassen können und dass er nicht "standgehalten" hatte.

Wie mag sich dieser Pilot gefühlt haben, als er wieder nach Hause zurückkehrte und von der Reaktion seiner Eltern erfuhr? In welcher Atmosphäre mag er wohl aufgewachsen sein bei Eltern, die eine derartige Haltung einnehmen? Welche Auswirkungen zeigten sich in seinen Gefühlsbeziehungen und in seinem Identitäts- und Selbstwertgefühl?

Mond / Uranus

(gilt für Wassermann am IC, Uranus im Quadrat zum IC, Uranus im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Uranus, Uranus im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Uranus im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond im Wassermann)

  1. Überbehütendes und überfürsorgliches Verhalten
  2. Überbetonung der Besonderheit des Kindes
  3. Grenzüberschreitung, Übergriffe
  4. Desorientierung durch irrationales Verhalten, Uneindeutigkeit, Widersprüchlichkeit (double-bind Botschaften), Mangel an klarer Ausrichtung
  5. Auftrag, die Vermittler- und Pufferrolle zu übernehmen
  6. Die erwartungsvolle Haltung: das Kind als Hoffnungsträger
  7. Emotionale Kälte (die "Glaswand"), plötzlicher Abbruch von Nähe

 

 

 

 

 

". Liebe umkreist die besitzende,
das immer heimlich verratene Kind
und verspricht es der Zukunft; nicht seiner."

 

 

 

Mond / Neptun

(gilt für Fische am IC, Neptun im Quadrat zum IC, Neptun im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Neptun, Neptun im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Neptun im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond in den Fischen)

  1. Vernachlässigung
  2. Desinteresse, vergessen, übersehen
  3. Verwirrung, Unklarheit, Desorientierung
  4. Verlust
  5. Haltlosigkeit, Ängste
  6. Fehlende Persönlichkeitsprofilierung eines Elternteils

 

 

 

 

Mond / Saturn

(gilt für Steinbock am IC, Saturn im Quadrat zum IC, Saturn im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Saturn, Saturn im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Saturn im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond im Steinbock)

  1. Strenge Gebote und Verbote, überzogene Grenzsetzung, Beengung
  2. Gleichmachende Gerechtigkeit, die dem Kind selbst nicht gerecht wird
  3. Distanziertheit, Kühle, Zurückweisung
  4. Überforderung durch frühe Aufgaben
  5. Gesellschaftliche Ambitionen und Ängste, "man"
  6. Ablehnen und Verneinen der Besonderheit des Kindes
  7. Depression, überzogene Ernsthaftigkeit

 

 

 

 

Das Geschenk aus den Erfahrungen


Jede der in den Geschichten genannten Personen hatte die Möglichkeit, ein Geschenk aus ihren Erfahrungen zu empfangen: Vielleicht wurde der amerikanische Soldat zu einem Menschen, dem die Wurzel von Grausamkeit und Unverständnis besonders deutlich vor Augen stand und der erkannte, dass wir diese Dinge nur verändern können, wenn wir uns des verletzten inneren Kindes im anderen bewusst werden. Birgit hatte die Chance, Liebe und Förderung von Überlagerung und Selbstbedienung zu unterscheiden und zu erkennen, dass der Weg zur persönlichen Freiheit und Individualität über die Bereitschaft führt, auch Menschen zu konfrontieren, die uns durch Fürsorglichkeit und ihre besten Wünsche "verdrehen". Wer diesen Weg gegangen ist, wird zum Symbol von Freiheit für andere. Sandra war eine sensible, einfühlsame, hochbegabte Therapeutin geworden, die sich dann in ihren eigenen ungelösten Themen verfing. Vielleicht ist es ihr inzwischen gelungen, ihr Bedürfnis nach Gemeinschaft und Halt auf eine lebensnahere Art zu stillen und zu einer Therapeutin zu werden, die anderen auf sinnvolle und vorsichtige Weise zeigen kann, wie sie Geborgenheit im nicht konkret Fassbaren gewinnen können. Auf Anitas Weg geht es um das tiefe, schmerzvolle Erfahren von lebensfernen Vorstellungen (hier kommt zusätzlich Mond/Pluto ins Spiel) und um die Konfrontation mit den ungeschriebenen Gesetzen der Gesellschaft und ihrer Relativität, die sie auch anderen vermitteln könnte.


 

 

Literatur:

Brigitte Hamann:
Das innere Kind im Horoskop.
Die Entwicklung des Lebenskerns aus astrologischer Sicht.
Chiron Verlag

 

 

 

Auch wenn es widersprüchlich klingt: Ihr Ego muß stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können. Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.
John Bradshaw