Rider Waite Tarot

Träume, Deine Sehnsüchte und bunten Hoffnungen wollen ernst und wichtig genommen werden.
Wer sie verdrängt, unterdrückt das Beste in sich. Und wird ein leerer Mensch.
Schiller 

Ein Tarot-Deck besteht zumeist aus 78 Karten. Diese Zahl entspricht der Summe der ersten zwölf Zahlen (1+2+3+4+5+6+7+8+9+10+11+12 = 78). Da die Zahl 12 für Vollständigkeit steht, wird die Zahl 78 als das große Ganze angesehen. Einige wenige Decks weichen von dieser Zahl ab, so hat z. B. das Universal-Tarot von Maxwell Miller nur 74 Karten, da sich der Künstler aus astrologischen und numerologischen Gründen entschloss, die Pagen-Karten zu entfernen. Außerdem gibt es Ausgaben, welche aus 80 Karten bestehen, da beim Druck der Karten die Papierbögen 80 Karten ergeben. Gelegentlich werden daher die beiden überzähligen Karten mit weiteren Bildern, bei einigen Ausgaben des von Aleister Crowley entworfenen Thoth-Decks z. B. mit verworfenen Entwürfen für den Magier, bedruckt. Manche Deutungssysteme beziehen diese Karten, die vom Schöpfer des Decks nicht als Teil des Decks betrachtet wurden, in die Auslegung mit ein. Weiterhin gibt es einige Decks, die lediglich aus den 22 Trumpfkarten der großen Arkana bestehen.

Die 78 Karten teilen sich in die sogenannte große und kleine Arkana, gelegentlich auch „das große und kleine Arkanum“ genannt (von lat. arcanum ‚Geheimnis‘). Mehr zu den Arkana und den einzelnen Karten weiter unten.

Die drei bekanntesten und einflussreichsten Decks sind das Marseille-, das Rider-Waite- und das Crowley-Tarot.

Rider-Waite-Tarot 

Dieses Tarot wurde 1910 veröffentlicht. Es wurde geschaffen von Arthur Edward Waite zusammen mit der amerikanischen Künstlerin Pamela Colman Smith. Beide waren Mitglied des Golden Dawn. Das Rider des Namens leitet sich von Rider & Son, dem Londoner Verleger, ab. Dieses Deck ist zwar etwas feiner gezeichnet als das Marseille-Deck, es benutzt aber ebenfalls nur sehr wenige Farben und wirkt ob der fehlenden Nuancen auf viele Menschen etwas comichaft.

Sie können wählen zwischen einer Komplettberatung (ideal, da hier auch Prognosen erscheinen, an die man gar nicht denkt)

und der Beantwortung einzelner Fragen (nur Beruf, Liebe usw.)

sowie der Legetechnik (Partneranalyse) in der die Partnerschaft analysiert wird.

Was können Sie selbst tun, damit die Beziehung aufrecht erhalten bleibt oder besser wir?

Worum können Sie Ihren Partner bitten und wie müssen Sie mit ihm/ihr umgehen?

Was bringt die Zukunft in den Bereichen:

Liebe, Geld, Freundschaft, Freizeit, Hobby, Beruf

und in anderen Bereichen?

Welche Menschen sind gut und hilfreich für Sie?

Vor welchen Personen sollten Sie sich besser hüten?

 

Es gibt grundsätzlich zwei Erklärungsmöglichkeiten dafür, warum das Ergebnis einer Tarot-Lesung Relevanz für die Beantwortung einer Frage haben kann. Die eine ist esoterisch-spirituell, die andere psychologisch.
Die esoterisch-spirituelle oder auch magische Erklärung stützt sich auf den von C.G. Jung geprägten Begriff der Synchronizität und versteht diesen als das gleichzeitige oder zeitnahe Auftreten zweier Ereignisse, die in einem inhaltlich sinnvollen, aber nicht kausalen Zusammenhang stehen. Es besteht nach diesem Erklärungsmodell also eine Parallelität zwischen dem, was in einer Legung dargestellt wird, und Ereignissen im Leben des Fragenden.

Die psychologische Erklärung sieht in einer Tarotlegung lediglich ein projektives bzw. assoziatives Verfahren; einen Spiegel innerer und äußerer Prozesse. Das Tarotbild wird quasi als ein visuelles Gleichnis zur eigenen Situation erlebt. Nach dieser Erklärung zeigen die Tarotkarten grundlegende, typische menschliche Erfahrungen, die beim Anblick eine subtile emotionale Reaktion hervorrufen, wenn das abgebildete Thema mit der eigenen Befindlichkeit korrespondiert. In diesem Licht kann der Tarot Werkzeug zur Selbsterkenntnis, zum Aufspüren un- oder vorbewusster Gefühle dienen, er wird zum Spiegel des eigenen Selbst. Solchermaßen entmystifiziert wird das Tarot von einigen Psychologen auch im therapeutischen Kontext genutzt.

Glück ist,
wenn Vorbereitung
auf Gelegenheit trifft.
Seneca

Astrologie und Tarot sind beliebte Gesellschaftsspiele. Die frisch Verliebten freuen sich darüber, wenn sie erfahren, dass ihre "Sternzeichen" gut zueinander passen. Genauso freuen sie sich, dass beim Kartenziehen ein Bild aufgetaucht ist mit der Aufschrift "Nr. 6. Die Liebenden". Um solche angenehmen Erlebnisse zu haben, braucht es keine Vorkenntnisse, ebenso wenig ist theoretisches Verständnis nötig, um sich zu verlieben.

Wer tiefer forscht, merkt allerdings schnell, dass die Astrologie keine guten und schlechten Aspekte kennt, sondern ein recht komplexes System ist und dass hinter den Tarot-Karten mehr steckt als auf den ersten Blick vermutet. Was aber verbindet diese beiden Orakel-Techniken? Beide präsentieren uns Symbole. Doch die Symbole stellen neue Fragen. Sie verlangen eine Übersetzung und müssen gedeutet werden.

Die abstrakten Signaturen auf der Horoskopzeichnung werden in Bilder und Figuren übertragen. Schon die Namen der einzelnen Symbole wie Wassermann, Mars, Venus zeigen, dass es sich um Archetypen handelt, also um innerpsychische Bilder. Die Himmelsrhythmen sind nur ein Gleichnis, der eigentliche Inhalt der Astrologie ist die Psyche des Menschen, einschließlich des Unbewussten, und das Unbewusste spricht nun einmal in Bildern.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

ASTROLOGIE
TAROT
Mehrdeutige Symbole Mehrdeutige Symbole
Abgeleitet aus den Rhythmen der Natur bei der Geburt (Horoskop) Abgelesen aus 78 archetypischen Bildern (Tarot-Karten)
Einzelne Teile der Astrologie sind seit der Vorzeit bekannt Einzelne Bildmotive des Tarot sind seit der Vorzeit bekannt
Heutige Struktur seit dem letzten vorchristlichen Jahrtausend festgelegt Heutige Form hat sich seit der Rennaissance entwickelt
Übersetzung ("Deutung") der Symbole ist nötig Übersetzung ("Deutung") der Symbole ist nötig
Dazu ist Fachwissen erforderlich Teilweise auch ohne Fachwissen möglich (spontane Bildbetrachtung)
Jedes Symbol ist völlig wertfrei. Es enthält jeweils 50% Chancen und 50% Gefahren Es gibt auf den ersten Blick "gute", "schlechte" und neutrale Karten. Jede enthält aber als Möglichkeit auch die andere Polarität
Abstrakteres, dafür differenzierteres System unmittelbar verständliche Bilder
Auch wissenschaftlicher Zugang möglich freies, kreatives System
Empirisches Material aus langer systematischer Deutungstradition vorhanden Schriftliche Quellen zur Interpretation erst seit 100 Jahren
Astrologie ist ein Zeitsystem. Konstellationen können exakt einem Zeitraum zugeordnet werden Zeitloses Bildsystem. Vergangenheit, Gegewart und Zukunft müssen durch Frage- und Legetechniken unterschieden werden

(Nach Hajo Banzhaf, Tarot, Astronova)

Das große Plus der Tarot-Methode ist jedoch ihre unmittelbare Verständlichkeit. Wenn die Bildfantasie der Klientin oder des Klienten mit einbezogen wird,  dann können die Betroffenen selbst bei der Deutung mitwirken. Das Ergebnis ist eine Demokratisierung des Erkenntnisprozesses. Die Klienten sind dabei weniger dem Fachwissen einer Autorität ausgeliefert. Unser Leistungsdruck als Astrologen, stets die "richtige Deutung" vorformuliert bereitzuhalten, entspannt sich, wenn wir die Tarot-Karten hinzuziehen. Die Sitzung wird durch ein kreatives Element bereichert und vertieft, denn Bilder sprechen unmittelbar die Seele an.

 

 

 

 

 

Die Gefühle offenbaren sich um so weniger, je tiefer sie sind.

Balzac

 

 

 

 


Es gibt grundsätzlich zwei Erklärungsmöglichkeiten dafür, warum das Ergebnis einer Tarot-Lesung Relevanz für die Beantwortung einer Frage haben kann. Die eine ist esoterisch-spirituell, die andere psychologisch.

  • Die esoterisch-spirituelle oder auch magische Erklärung stützt sich auf den von Carl Gustav Jung geprägten Begriff der Synchronizität und versteht diesen als das gleichzeitige oder zeitnahe Auftreten zweier Ereignisse, die in einem inhaltlich sinnvollen, aber nicht kausalen Zusammenhang stehen. Es besteht nach diesem Erklärungsmodell also eine Parallelität zwischen dem, was in einer Legung dargestellt wird, und Ereignissen im Leben des Fragenden.
  • Die psychologische Erklärung sieht in einer Tarotlegung lediglich ein projektives bzw. assoziatives Verfahren; einen Spiegel innerer und äußerer Prozesse. Das Tarotbild wird quasi als ein visuelles Gleichnis zur eigenen Situation erlebt.Nach dieser Erklärung zeigen die Tarotkarten grundlegende, typische menschliche Erfahrungen, die beim Anblick eine subtile emotionale Reaktion hervorrufen, wenn das abgebildete Thema mit der eigenen Befindlichkeit korrespondiert. In diesem Licht kann der Tarot Werkzeug zur Selbsterkenntnis, zum Aufspüren un- oder vorbewusster Gefühle dienen, er wird zum Spiegel des eigenen Selbst. Solchermaßen entmystifiziert wird das Tarot von einigen Psychologen auch im therapeutischen Kontext genutzt.

Auch zur westlichen Astrologie werden in vielen Deutungssystemen des Tarot Verbindungen hergestellt. Ebenso gibt es einzelne Decks, die entsprechende Verbindungen zu anderen astrologischen Systemen herstellen; auf diese soll hier aber nicht eingegangen werden. Meist werden den einzelnen Karten die Tierkreiszeichen, Planeten und/oder astrologische Häuser zugeordnet, oft auch eines der vier Elemente, mit denen auch die Astrologie arbeitet. Deren Eigenschaften werden dann in die Deutung der jeweiligen Karte mit einbezogen. Allerdings herrscht keineswegs Einigkeit darüber, welches Zeichen zu welcher Karte gehört, und selbst einen Überblick zu geben würde den Rahmen des Artikels bei weitem sprengen. Daher als Beispiel nur die Zuordnung, wie sie Crowley für sein Tarot-System vornimmt.


Giordano Berti e Andrea Serio, Tarocchi di Dante, 1 di Fiamme

Giordano Berti e Andrea Serio, Tarocchi di Dante, 1 di Fiamme.-via Wikimedia Commons.

Literatur:

5. Marion Guekos-Hollenstein: Zur psychologischen Deutung des Tarock-Spiels. Dissertation an der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich 1978, als Taschenbuch: Quellen des Tarot. Unbekannte Schätze in den 22 Großen Arkana. Überarb., TB. Königsfurt-Urania, Krummwisch 2000 ISBN 3-933939-06-2
 
6. Marlene Hoffmann-Körner: Tarot als Medium im psychotherapeutischen Prozeß, Diplomarbeit am Fachbereich für Psychologie der Universität Hamburg, 1990
 
7. Bernhard Sommer-Teckenburg: Klärungshilfe mit Tarot, Diplomarbeit im Fachbereich Psychologie, Universität Hamburg 1991, - Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über die psychologische Beratung mit Tarot - Der Autor beschäftigt sich im ersten Teil mit dem Tarot als Medium der psychologischen Klärungshilfe. Umgang und Funktionsweise im therapeutischen Kontext werden beschrieben. Im zweiten Teil wird in einer Studie auf der Grundlage von Tarot-Beratungen untersucht, wie hilfreich der Tarot in der psychologischen Beratung ist. http://www.teckenburg.eu/Diplomarbeit.html
 
 
9. Hajo Banzhaf: Tarot und die Reise des Helden. Hugendubel, Oktober 1997, ISBN 3-88034-991-6.

 

 

 

 

 

Es gibt keine Erlebnisse, die von Anfang an ein bestimmtes Gefühl sind, ja nicht einmal Gefühl schlechthin: sondern es gibt bloß Erlebnisse, die dazu berufen sind, zum Gefühl und zu einem bestimmten Gefühl zu werden.


Robert Musil