Uranus

Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehaßt.

Marie von Ebner-Eschenbach

The Mutiliation of Uranus by Saturn

The Mutiliation of Uranus by Saturn-G. Vasari-via Wikimdia Commons

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Uranus ist der erste Planet jenseits von Saturn, der in der Neuzeit entdeckt wurde: Am 13. März 1781 machte ihn der Astronom Wilhelm Herschel mit Hilfe eines Teleskops erstmals am Himmel aus. Uranus ist viermal so groß wie die Erde. Sein Äquatordurchmesser beträgt 51 118 Kilometer, die mittlere Entfernung von der Sonne 2 883 Millionen Kilometer. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er knapp 84 Jahre; d.h. er hält sich in jedem Tierkteiszeichen ca. sieben Jahre lang auf. Die Tagesbewegung beträgt maximal 3,39 Bogenminuten, im Durchschnitt sind es 42 Bogensekunden. Wenn man weiß, wo Uranus am Himmel zu suchen ist, kann er sogar mit bloßem Auge gerade noch erkannt werden. Im alten Griechenland war deswegen die Existenz dieses Planeten bereits bekannt, geriet jedoch später wieder in Vergessenheit.

                       Mythologie

 

Uranos (lateinisch Uranus) war der älteste der antiken Himmelsgötter. Gaia, die Erde, brachte ihn ohne Beteiligung eines Mannes hervor und wurde dann seine Frau. Uranos zeugte mit Gaia zahlreiche Kinder, darunter das Geschlecht der Titanen und Kyklopen. Von manchen seiner Nachkommen war Uranos jedoch so entsetzt, dass er sie gleich wieder in den Schoß von Gaia zurück stopfte. Daran drohte Gaia zu ersticken. Deshalb animierte sie ihren Sohn Kronos (Saturn), den bedeutendsten unter den Titanen, seinen Vater zu stürzen und mit einer Sichel zu entmannen.

Zwar konnte Kronos die Macht an sich reißen, doch seine Tat zeitigte ungeahnte Folgen. An der Stelle, wo Uranos' Glied ins Meer geworfen wurde, entstieg Aphrodite, die Göttin der Liebe und der Schönheit, dem Schaum. Dort, wo Uranos' Blut die Erde berührte, entstanden die Erinnyen, Furcht erregende weibliche Rachegöttinnen, die überall erschienen, wo Menschen gegen die naturgegebenen Gesetze verstießen. Sie wurden für die Menschen zu einer großen Herausforderung, denn sie wachten unnachgiebig über die Einhaltung der göttlichen Ordnung.

Insofern sorgte Uranos ohne gezielte Handlungsabsicht für einschneidende Veränderungen in der Existenz der Menschen. Scheinbar entmachtet, nahm er dennoch großen Einfluss auf den Lauf der Dinge auf Erden.

Manche Astrologen sind jedoch der Ansicht, dass der mythologische Uranos nicht die zum astrologischen Uranus passende Gestalt ist. Viel besser eigne sich Prometheus (der "Vorausschauende"), der sich gegen den Göttervater Zeus auflehnte und den Menschen das Feuer brachte

Uranus ist der neue Herrscher des Zeichens Wassermann und im Löwen im Exil. Im Skorpion steht er erhöht und im Stier im Fall. Um die Symmetrie des Tierkreises der klassischen Astrologie zu wahren, gilt er als Nebenherrscher des Steinbocks, dem er dadurch auch uranische Nuancen gibt, die durch dessen Hauptherrscher Saturn alleine nicht zu erklären sind

Die Nöte des Menschen sind ohne Zahl. Und doch kann ihm nichts Schlimmeres zustoßen als der Verlust der Freiheit.

Ho Chi Minh

                                           Deutung

Durch die Entdeckung des Uranus änderten sich die bis dahin gültigen Dimensionen des Sonnensystems schlagartig, denn er ist doppelt so weit von der Erde entfernt wie Saturn. Damit sprengte er das alte Weltbild und symbolisiert entsprechend plötzliche Umschwünge und den Vorstoß in eine andere Dimension. Betrachtet man für die Interpretation dieses Planeten auch die Zeit seiner Entdeckung, was in der Astrologie bei neu entdeckten Planeten üblich ist, so repräsentiert er die Ideale der Französischen Revolution (1789): Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und überhaupt die humanistischen Ideale der Aufklärung.

„Wagen wir, die Dinge zu sehen, wie sie sind.“

Albert Schweitzer

Als einer der geistigen Planeten versinnbildlicht er Prinzipien jenseits von Materie und individuellen persönlichen Grenzen. Er steht für die Intuition, für plötzliche, blitzhafte Eingebungen. Er ist folglich auch ein Symbol für die Astrologie selbst, welche ja - nach dem Prinzip der Analogie - die Zusammenhänge zwischen dem Oben (den Himmelserscheinungen) und dem Unten (dem irdischen Geschehen) zu erfassen sucht. Auch technische Geräte und Errungenschaften (wie neuerdings die Computer) und neue Medien werden ihm zugeordnet.

In der persönlichen Radix drückt Uranus das revolutionäre Potenzial eines Menschen aus. Da er sich im Horoskop von Menschen mehrerer Jahrgänge im selben Zeichen befindet, ist seine Zeichenstellung weniger individuell als seine Hausstellung. Sein Haus zeigt den Bereich an, in dem ein Mensch unkonventionell ist, zu spontanen Verhaltensweisen neigt, Grenzen sprengt und gerne ungebunden sowie originell ist. Ist er schwierig gestellt, neigt die betreffende Persönlichkeit unter Umständen dazu, alles zwanghaft anders machen zu müssen. Auch elitärer Dünkel kann zu den uranischen Schattenseiten gehören.

Im Aspekt mit einem anderen Planeten oder einer Achse ist Uranus eine Art "Beschleuniger"; er verleiht dem aspektierten Planeten Originalität und Andersartigkeit, sorgt für Überraschungen ebenso wie für blitzartige Erleuchtungen.

 

 

Ahmen Sie niemanden nach - seien Sie Sie selbst.“
Dale Carnegie

Ähnliches geschieht, wenn er einen Planeten oder eine Achse im Transit berührt. Ein Uranus-Transit wälzt das Bisherige um, steht für schlagartige Änderungen, aber auch für ein intuitives Erfassen von Zusammenhängen.

                                             Mundan

Uranus steht für eine gesellschaftliche Umstrukturierung - für Zukunft und Neuerungen in Politik, Wirtschaft und Kunst, für das Progressive, Moderne, für Reformen, alles vermeintlich Unkonventionelle, Unruhen und Umstürze, Aufruhr bis hin zum Terror, auch für wissenschaftlichen Fortschritt, neue Forschungsergebnisse. Er 'regiert' die heutigen Medien bzw. neue Techniken und Erfindungen gerade in der Kommunikation (Telefon, Funk, Satellit), Elektrizität und EDV bzw. Innovationen generell. Weltanschaulich bedeutet er soziale Utopien, Ideen der Volkssouveränität, Freiheit und Emanzipation; er steht für Humanität, überhaupt Demokratisierung, für ein Eintreten gegen Unterdrückung (gegen "Tyrannen"), für Antiautoritäres, eine Auflehnung gegen staatliche oder kirchliche Obrigkeiten, er fordert Internationalismus, ein kosmopolitisches (weltumspannendes) Denken. Im Sozialen repräsentiert er Freunde und Bundesgenossen ("Gleichgesinnte"), den Zusammenschluss zu Cliquen oder Interessensgruppen (beispielsweise in den Gewerkschaften); er ist außerdem ein Symbol für die Jugend und deren Motto "Schneidet die alten Zopfe ab". Metereologisch/ klimatisch manifestiert er sich in Unwettern, (Wirbel-)Stürmen, aber auch in Erdbeben.

Die Herausforderung der Uranus-Transite

Uranus ist der Planet der unerwarteten Veränderungen und plötzlichen Umbrüche. Seine Transite zu bestimmten Horoskopfaktoren können die Fundamente unseres Lebens und unserer Persönlichkeit erschüttern. Gewohnte Strukturen, die aber unser Wachstum hemmen, sollen aufgelöst werden, um neuen Entwicklungen Raum zu geben. Vielen, abhängig von den einzelnen Konstellationen im Horoskop – zum Beispiel mit starker Erdbetonung –, fällt es schwer, diese uranische Erneuerungskraft anzunehmen. Sie erfordert Risikobereitschaft und den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und sich gegen althergebrachte Normen zu stellen. Je mehr wir uns aus Furcht und Angst uranischen Erfordernissen verweigern, umso größer wird die innere Unruhe. Der unterdrückte Drang nach Erneuerung kann sich in vielfältigen körperlichen und seelischen Störungen zeigen.

Howard Sasportas verweist auf einen von ihm gehörten Vortrag von Beata Bishop, in dem Zusammenhänge zwischen nicht gelebten und unterdrückten Anteilen im Horoskop und den daraus resultierenden möglichen Panikattacken durch einen Uranus-Transit aufgezeigt werden. Eine Frau mit ausgeprägter Feuerbetonung im Horoskop (Sonne im Löwen, Mond im Widder, MC im Schützen) lebte nur die introvertierte, hingebungsvolle Seite ihres Fische-Aszendenten, indem sie ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse zugunsten ihrer Familie vernachlässigte. Der Transit von Uranus über ihren MC löste schreckliche Panikattacken und Angstzustände aus. Diese Symptome wiesen rüde auf ihr inneres Ungleichgewicht hin und beinhalteten die Aufforderung, die bisher nicht gelebten Persönlichkeitsanteile zu erkennen und zu integrieren. «Ihr inneres Selbst musste zu dieser List greifen, um ihr zu zeigen, dass sie in Bezug auf ihre Lebenshaltung etwas unternehmen müsste. Zweifellos war ihr Unbehagen groß. Das war jedoch notwendig, um einen Selbstheilungsprozess einzuleiten.»

Selbständigkeit und Authentizität

Je mehr wir uns gegen Uranus wehren, umso schmerzlicher gestalten sich seine Eingriffe, und die nun vorhandene Dynamik wendet sich gegen uns selbst. Viele körperliche und vor allem psychische Krankheiten sind ein Hilferuf der Seele. Sie fordern uns auf, bestehende Ordnungen, die nicht zu unserer Persönlichkeit und unserem heutigen Leben gehören, zu ändern. Dies ist immer ein schmerzhafter Prozess, aber am Ende können wir selbstständiger und authentischer sein.

Der transitierende Uranus bringt unsere unterdrückten uranischen Anteile zum Vorschein und weist uns auf eine zu große Angepasstheit, zu viele Abhängigkeiten, resignierte Passivität oder unbewusst übernommene Einstellungen hin. Uranus ermöglicht uns, alles und besonders uns selbst aus der Distanz zu betrachten. Dadurch haben wir einen anderen Blickwinkel, der zu plötzlichen Erkenntnissen führen kann.

Entnommen aus:
Christa Gallery:
Angst im Horoskop
erkennen und verstehen.

Chiron Verlag, Tübingen, 2006.


Literatur:

  • Wikipedia zu Uranus (astronomisch), Astrowiki
  1.  Herschel zitiert aus Nicholas Campion, Das Buch der Welthoroskope. Edition Astrodata, Wettswil 1991, S. 483. Die gleiche Zeit (22:30 Uhr) berichtet Janduz, zitiert durch Rubertus Steeg in: Astrologischer Auskunftsbogen 71, Mai 1957. Baumgartner-Verlag Warpke-Billerbeck
  2. Richard Tarnas: Uranus und Prometheus. Zollikon 1996.
  3.  Klöckler, Herbert Freiherr von: Kursus der Astrologie, Band II: Grundlagen für die astrologische Deutung. Astra-Verlag Berlin 1952 S. 44 f.
  4.  Uranus-Neptun, Artikel von Richard Vetter; in Anlehnung an Otto Rumburg, Horoskope und Politik, 19

 

 

 

 

„Du hast keine Chance – nutze sie!“

Sponti Spruch

 

 

 

 

 

 

 

"Welch großes Wunder ist der Mensch! Er vereint in sich die Natur der Götter und der Dämonen."

 

 

 


Wenn eine Idee plötzlich die Vorstellungskraft der Menschen mit so einer Macht ergreift, bringe ich das mit Uranus in Verbindung. Das Schwierige an diesen Ideen ist der Umstand, dass sie der himmlischen Welt entstammen - und daher sind sie normalerweise ein wenig zu fortgeschritten für die Welt. Die Vorstellung von der göttlichen Würde der Menschen, welche die kreativen Köpfe der Renaissance ergriff, war ziemlich schwer zu verdauen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde dieses Gedankengut unterdrückt, weil uranische Ideen der sie ausbrütenden Kultur unvermeidlich himmelweit voraus sind.

Wenn eine Idee sich plötzlich in der äußeren Welt manifestiert, hat sie bereits eine Reise aus den Tiefen herauf hinter sich und nimmt die Färbung des Tierkreiszeichens an, das Uranus gerade durchläuft. Dieses Zeichen repräsentiert den Lebensbereich, der von der neuen Idee verändert und umgewandelt wird. Einige wenige Menschen werden zu ihrem Sprachrohr, und sie beginnt innerhalb der Gesellschaft wie Hefe aufzugehen. Jedoch dauert es sehr lange, bis die weltlichen Formen genügend verändert werden können, um einer Idee den notwendigen Raum zu geben. Und es dauert ausgesprochen lange, bis einzelne Menschen die Fähigkeit erlangen, sie in ihr Leben zu integrieren - ohne dabei furchterregende Zerrformen zu entwickeln. Jung war der Ansicht, dass es ungefähr 80 Jahre dauert, bis sich ein aus dem kollektiven Unbewussten auftauchender Bewusstseinsinhalt seinen Weg durch die verschiedenen Ebenen der Gesellschaft gebahnt hat. Dies entsprang seiner persönlichen intuitiven Einschätzung, da es uns natürlich nicht möglich ist, solche Dinge zeitlich genau zu bemessen. Aber die Zeitspanne, die er angibt, entspricht grob der Zeit, die Uranus benötigt, um zu einem bestimmten Zeichen zurückzukehren. Der Uranus-Zyklus dauert 84 Jahre.

Am 11./12. März 2011 kehrt Uranus ins Zeichen Widder zurück, wo er letztes Jahr schon einmal war - von Ende Mai bis Mitte August 2010. Die neuen Impulse von damals setzen nun definitiv eine Bewegung in Gang. Uranus in den Fischen hat in den vergangenen acht Jahren alte Träume mit neuem Geist versehen. Uranus in Widder wird in den nächsten acht Jahren neues Neuland erobern. Wenn Uranus, der erste Gott der griechischen Mythologie, das erste Zeichen des Tierkreises betritt, stehen alle Zeichen auf Anfang. Im Element Feuer schreit der Himmelsgott "Heureka, ich hab's" - mutige Anführer, Macher, Abenteurer und Pioniere preschen vor.

Literatur:

Liz Greene
Jenseits von Saturn
Die äusseren Planeten und ihre Zyklen

Chiron Verlag, Tübingen 2009