Pluto

Die Zeit heilt nicht alle Wunden,
sie lehrt uns nur mit dem
Unbegreiflichen zu leben.

Rape of Proserpina - Gian Lorenzo Bernini

Rape of Proserpina - Gian Lorenzo Bernini-via Wikimedia Commons

Symbole: A50_174.gif (offiziell, auch in der Astronomie); a12_174_pluto3.gif a13_174_pluto4.gif

Pluto galt lange Zeit als der am weitesten von der Sonne entfernte Planet. Er wurde am 18. Februar 1930 um 16:00 Uhr Ortszeit von Clyde William Tombaugh im Observatorium von Flagstaff, Arizona, entdeckt, nachdem Percival Lowell schon einige Jahre zuvor einen weiteren Planeten jenseits von Neptun vermutet und wichtige Forschungen in dieser Richtung unternommen hatte. Erst am 13. März gaben die Astronomen ihre Entdeckung bekannt. Pluto ist mit einem Äquatordurchmesser von 2320 Kilometern relativ klein, bildet jedoch zusammen mit dem vergleichsweise großen Mond Charon ein Doppelsystem. Seine mittlere Entfernung von der Sonne beträgt 5960 Millionen Kilometer. Für einen Umlauf um die Sonnebenötigt er 248 Jahre, wobei seine Bahn gegenüber denjenigen der anderen Planeten stark geneigt ist. Wegen seiner recht exzentrischen Bahn braucht er zum Durchlaufen der einzelnen Tierkreiszeichen auch unterschiedlich lange, zwischen elf und 31 Jahre

Seit dem 24. August 2006 gilt Pluto astronomisch nicht mehr als Planet, denn zu diesem Zeitpunkt hat die Internationale Astronomische Union den Begriff "Planet" neu gefasst. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass Pluto eventuell nicht das größte Objekt des Kuipergürtels ist, Eris hat zumindest eine vergleichbare Größe, wurde bis vor kurzer Zeit sogar noch größer als Pluto geschätzt. Pluto gilt seitdem als Zwergplanet der Sonderkategorie der Plutoide. Die Astronomen zweifeln mittlerweile jedoch an der Richtigkeit ihrer Entscheidung, zumal noch 2006 mit Nix und Hydra zwei weitere Plutomonde entdeckt wurden, sowie 2011 ein vierter und 2012 ein fünfter (beide noch namenlos).
Der astrologischen Bedeutung Plutos tut dies jedoch keinerlei Abbruch, lediglich seine Rolle als Hauptherrscher des Skorpions kann dadurch in Frage gestellt werden

Mythologie:

Hades (lateinisch Pluto) war der Herrscher über die Unterwelt, das Totenreich. Er und seine Brüder Zeus (Jupiter), der Herr des Himmels, sowie Poseidon (Neptun), der Herr der Meere, hatten nach der Entmachtung ihres Vaters Kronos das Universum unter sich aufgeteilt. Des Hades Reich war besonders gefürchtet. Die Griechen glaubten, die Menschen lebten dort als Schatten ihrer vormaligen Existenz und gingen ohne Bewusstsein all jenen Betätigungen nach, die sie zuvor auf der Erde ausgeübt hatten. Hermes begleitete die Toten auf ihrem Weg dorthin über den Fluss Styx, welcher die Grenze zur bewussten Welt bildete. Auf dessen anderer Seite wachte der Höllenhund Kerberos darüber, dass keiner die Unterwelt wieder verließ. Außer Hermes-Merkur konnten nur wenige Personen, darunter die Helden Herakles, Odysseus und Äneas, sowie die Liebenden Orpheus und Psyche in die Unterwelt hinab- und erneut aus ihr hinaufsteigen; des Hades Welt war ein Reich ohne Wiederkehr.

Da Pluto von den Menschen mehr gefürchtet als verehrt wurde, ranken sich nur sehr wenige Mythen um ihn. Der bekannteste handelt von seiner Frau Persephone, der Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Hades hatte hinter beider Rücken mit Zeus ausgehandelt, dass Persephone seine Frau werden sollte. Dazu musste sie Narzissen pflücken, die dem Hades geweihten Blumen. Obwohl ihre Mutter sie davor eindringlich gewarnt hatte, verführte Zeus sie auf einem besonders schönen Narzissenfeld dazu. Kaum hatte sie eine gepflückt, tat sich die Erde auf, und Hades raubte Persephone (der Legende nach auf Sizilien). Als ihre Mutter daraufhin alles auf Erden verdorren ließ und Zeus fürchten musste, dass es bald keine Menschen mehr geben würde, die ihm Opfer bringen konnten, verhandelte er mit seinem Bruder über Persephones Rückkehr. Bevor sie sich jedoch wieder zur Oberwelt aufmachte, gab ihr Hades einen Granatapfel mit, das Symbol für die Ehe. Persephone biss hinein - und war somit an Hades gebunden. Nach weiteren Verhandlungen verbrachte sie schließlich immer zwei Drittel des Jahres über der Erde und ein Drittel bei ihrem Ehemann in der Unterwelt (ein Symbol dafür, dass zur Ganzheit die bewusste und die unbewusste Welt gehören).

                                           Deutung

psychologisch

Zusammen mit Uranus und Neptun ist Pluto einer der drei geistigen Planeten, die über die Grenzen der Materie, welche von Saturn gesetzt sind, hinausweisen. Er berührt äußerst beängstigende Ebenen im Menschen; er hat Bezug zu tiefgreifenden Wandlungsprozessen. Es ist jedoch zu kurz gegriffen, nur seine bedrohliche Seite zu sehen, denn er steht nicht nur für eine Krise, sondern dadurch, dass er alles Verdrängte und Verbotene ans Licht zerrt, letztlich auch für deren Überwindung. Er ist Symbol für Transformation im Sinne einer umfassenden Läuterung, was Energien von großer Intensität und Urgewalt freisetzen kann. Ob diese Kräfte genutzt werden, um der Gemeinschaft zu dienen oder um egoistische Interessen durchzusetzen, ist eine andere Frage.

Plutothemen sind Macht und Ohnmacht, fixe Leitbilder, Projektionen, absolute Gewissheiten, Abhängigkeit bis hin zu seelischen Verstrickungen, Sexualität, Tabus aller Art.

Astromedizin

Pluto unterstehen die Sexualorgane, die dem Menschen beim Geschlechtsverkehr den "kleinen Tod" bereiten, wie die Franzosen den Orgasmus nennen, aber auch Dickdarm und Mastdarm, wo die unverwertbaren Nahrungsreste zersetzt und ausgeschieden werden.

Er steht für die Krankheit des Krebs und die diesen bekämpfenden (Röntgen-)Strahlen, für Viruserkrankungen, aber auch für Antibiotika. Er bedeutet existenzielle, fundamentale Lebenskrisen, auf der anderen Seite jedoch auch die individuelle Regenerations- und Überlebensfähigkeit nach und durch Krisen, hat enorme Heilkräfte ("stirb und werde", Phönix aus der Asche).

Pluto übernahm einen Teil der ursprünglich dem Saturn zugeordneten Pflanzen. Als Herr der "Anderwelt" oder "Unterwelt" sind seine Pflanzen meist düsterer Natur.

mundanastrologisch

In die Zeit von Plutos Entdeckung (1930) fallen das Aufkommen der Diktaturen des Nationalsozialismus bzw. Faschismus (die "Führer" Hitler und Mussolini mit ihrer hypnotischen Suggestivität), einflussreiche Massenereignisse und Machtkonzentration. Sowie die Radioaktivität bzw. die Entdeckung der Kernspaltung (1938; Atomkraft, "Plutonium").Plutonisch sind Fanatiker, Extremisten, Radikale, Süchtige (mit Selbstzerstörungstrieb); aber auch Asketen, Heilige und Gurus mit Gefolgschaft.

Plutos "Milieu" ist der Untergrund (Schwarzhandel, die Mafia), Giftküchen, Freudenhäuser (Bordelle), der Dschungel und das Moor. Oft werden ihm auch das Erdöl ("Gold der Tiefe") und die innerirdischen Kräfte des Vulkanismus zugeschrieben.

Im Bereich der Finanzen sind Schulden/ Kredite, auch im übertragenen Sinne, eine Pluto-Analogie, wegen ihre Bezuges zum achten Haus; und Erbschaften.

Literatur:

  • Wilhelm Mrsic: Der neue Planet und die Geschichte der Planetenentdeckung. In: Zenit, 1. Jhg., Juni 1930, Heft 6, S. 180, Herausgeber Dr. Hubert Korsch, Verlag Otto Fritz, Düsseldorf
  • Heinrich Christian Meier-Parm: Pluto im Planetenbild, Vorwort von A. Frank Glahn. 89 Seiten. Memmingen, Uranus-Verlag 1935. Neuauflage unter dem Titel "Pluto" bei Hans Baumgartner, Warpke 1952 (mit Kommentaren von Hans Baumgartner)
  • Heinrich Christian Meier-Parm: Pluto im Planetenbild verglichen mit Neptun. 105 Seiten. Uranus-Verlag Memmingen, 2. und erweiterte Auflage 1937; 1939
  • Fritz Brunhübner: Der neue Planet Pluto. Beobachtungen und Erfahrungen. Diessen vor München, Jos. C. Hubers Verlag 1935

  • Jeff Green: Pluto - Die evolutionäre Reise der Seele. 435 Seiten. Hugendubel GmbH Kreuzlingen/ München 1989; 2000 ISBN 3880348057 ISBN 978-388034805
  • Claude Weiss/ Verena Bachmann: Pluto: Eros, Dämon und Transformation. Astrodata
  • Astrowiki

Die größten Menschen sind jene,
die anderen Hoffnung geben können.
(Jean Jaurès)

                          Pluto in Steinbock 2008-2024.


Neues Leben blüht aus den Ruinen

Das magische Wort muss dreimal gesprochen werden; nach dem dritten Mal geschieht "es". Pluto-Prozesse verlaufen sehr oft dreifach. Ein Transit des Pluto aus dem Steinbockzeichen heraus zu einem bestimmten Punkt des Geburtshoroskops kommt wegen der Rückläufigkeit stets mehrfach und dauert viele Monate. Er kann bedeutsame Prozesse begleiten und verläuft - zumindest in der Theorie - in den genannten drei Phasen: Beim ersten direktläufigen Transit werden Mauern zerstört. Eine Weile nach dem Zusammenbruch, beim zweiten Transit, jetzt rückläufig, wächst neues Leben aus den Ruinen. Falls wir in dieser zweiten Phase bereit sind, dieses Neue wahrzunehmen, ist beim dritten, nun wieder direktläufigen Transit eine Art Auferstehung des Begrabenen zu erwarten.

Dieser dreiphasige Prozess erklärt sehr gut, was mit dieser Pluto-Konstellation gemeint ist. Anders als bei anderen astrologischen Konstellationen stehen die möglichen Vor- und Nachteile nicht unvermittelt nebeneinander, sondern Gefahr und Chance von Pluto sind verwoben, verwandeln sich ineinander, sind sogar eins, wenn wir bedenken, dass manche Geschehnisse wie der Gott Janus zwei Gesichter haben, eine Schatten- und eine Lichtseite. Ein gutes Schema, um diesem Ablauf Herr zu werden, ist die Reihenfolge der drei Phasen: Erst Zusammenbruch des Alten, dann eine Wartephase mit erstem Aufblühen und zuletzt die Auferstehung von etwas Neuem

Leider richtet sich das Leben nicht immer nach dem Schema. Es ist anzunehmen, dass auch unter Pluto im Steinbock nicht sämtliche Erfahrungen von sämtlichen sieben Milliarden Erdenbewohnern mit einer positiven Erneuerung enden. Wenn jedoch vieles gut enden wird, dann liegt das teils an der Hilfe der guten Götter, die uns fördernde "Zufälle" zufallen lassen, teils an Menschen, die bereit sind, ihre Wahlfreiheit zu nutzen und mit ihrem freien Willen die jeweils bestmögliche Entsprechung für ihre Konstellationen zu suchen. Man kann es auch einfacher zusammenfassen, indem man sagt: Wir brauchen einerseits Glück, sollten aber auch etwas dafür tun.

In Abweichung vom Schema wäre denkbar, dass in manchen Fällen schon beim ersten Transit Elemente der letzen Phase überwiegen, ein andermal noch beim letzten Transit einzelne Erfahrungen gemacht werden, die wir hier als erste Phase beschreiben. Es ist also weder die Reihenfolge noch der gute Ausgang vorherbestimmt. Aber in allen Fällen wird es ein mehrphasiges Geschehen sein, und in allen Fällen wird Schatten und Licht eng und ursächlich verknüpft sein, werden Ende und Neuanfang so nahe beieinander liegen wie zwei Liebende. Bei der Konkretisierung der einzelnen Phasen werden wir nun ebenfalls feststellen, das jede einzelne ihre Gefahren und auch Chancen enthält.

Literatur:

Ernst Ott
Pluto in Steinbock 2008 - 2024.

Neues Leben blüht aus den Ruinen

Chiron Verlag, 2008.

Nur wer die Herzen bewegt,
bewegt die Welt.
Ernst Wiechert