Neptun

Wie viel wäre für
die heutigen Zustände
schon gewonnen,
wenn wir nur alle
jeden Abend 3 Minuten lang
sinnend zu den
unendlichen Weiten
des gestirnten Himmels
emporblickten.
Albert Schweitzer

Luca Giordano - Allegorie des menschlichen Lebens und der Dynastie der Medici

Luca Giordano - Allegorie des menschlichen Lebens und der Dynastie der Medici-Foto via Wimedia Commons

Neptun ist, wie Uranus und Pluto, ein transsaturnischer Planet, also einer der Planeten, die erst in der Neuzeit mithilfe moderner Teleskope entdeckt wurden. Dies geschah am 23. September 1846 gegen 23:00 Uhr durch Johann Gottfried Galle, nachdem Joseph Le Verrier aufgrund von Störungen der Uranusbahn bereits die Position eines weiteren Planeten berechnet hatte.

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Am Ende geht einer doch immer dahin, wohin es ihn zieht. --> http://myzitate.de/buchzitate.php?q=Antoine+de+SaintExupery

 

 

 

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Antoine de Saint-Exupéry in Der kleine Prinz (Buchzitat) Das, worauf es im Leben ankommt, können wir nicht voraussehen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet. Glück, Freude, Leben --> http://myzitate.de/buchzitate.php?q=Antoine+de+SaintExupery
Antoine de Saint-Exupéry in Der kleine Prinz (Buchzitat) Am Ende geht einer doch immer dahin, wohin es ihn zieht. --> http://myzitate.de/buchzitate.php?q=Antoine+de+SaintExupery

 

Antoine de Saint-Exupéry in Der kleine Prinz (Buchzitat) Am Ende geht einer doch immer dahin, wohin es ihn zieht. --> http://myzitate.de/buchzitate.php?q=Antoine+de+SaintExupery

                       Mythologie


Poseidon (lateinisch Neptun) war der Herrscher über die Meere. Er und seine Brüder Zeus (Jupiter), der Herr des Himmels, sowie Hades (Pluto), der Herr des Totenreiches, hatten nach der Entmachtung ihres Vaters Kronos das Universum unter sich aufgeteilt. Neptun lebte in einem unterirdischen Palast mit seiner Frau Amphitrite. In vielem ähnelte er seinem Bruder Zeus. Er suchte zahlreiche Liebesabenteuer und bediente sich der Gewalt oder der List, wenn die Frauen ihn nicht begehrten. Zudem besaß er einen sehr emotionalen, aufbrausenden Charakter. In seinem Streitwagen raste er mit hoher Geschwindigkeit durch das Meer. Wo er auftauchte, drohten Erd- oder Meeresbeben und schwere Stürme. Wenn er sich von den Menschen nicht genug beachtet fühlte, strafte er sie mit Überschwemmungen.

Aufgrund seiner emotionalen Art konnte er sich nie damit abfinden, dass sein Bruder Zeus den Himmel als Machtbereich bekommen hatte. Immer wieder versuchte er mit Hilfe anderer Götter, bisweilen sogar mit Zeus' Gattin Hera, den Göttervater zu stürzen. Letztlich blieben all diese Versuche aber vergebens.

Poseidon hatte jedoch auch eine andere Seite. Er konnte ausgesprochen mitfühlend und hilfsbereit sein. Um den Menschen neuen Lebensraum zu geben, schuf er die Landschaft Thessalien, die zuvor ein großes Meer gewesen war. Viele Seeleute rettete er vor dem Ertrinken. Zudem machte er Kastor und Polydeukes (Zwillinge) zu Schutzpatronen der Schifffahrt. Durch seine Hilfe waren sie in der Lage, Stürme zu bändigen. Schließlich riefen ihn die Menschen auch um Schutz gegen Erdbeben an.

                          Deutung


Zusammen mit Uranus und Pluto ist Neptun einer der drei geistigen Planeten, die über die Grenzen der Materie, welche von Saturn symbolisiert wird, hinausweisen. Dem Charakter dieses Planeten entsprechend, ist das typisch Neptunische nur schwer in Worte zu fassen. Während Uranus die von Saturn gesetzten Grenzen durchbricht und eine neue Dimension erschließt, löst Neptun diese Grenzen unmerklich, aber nachhaltig auf, so wie Wasser Felsen zersetzen kann. Er steht für die Sehnsucht des Menschen, in etwas Größerem aufzugehen, für Transzendenz und Spiritualität. Er ist Symbol für die Inspiration.

Im Aspekt mit einem anderen Planeten oder mit einer Achse sensibilisiert Neptun den jeweiligen Horoskopfaktor. Er kann im angesprochenen Bereich Illusionen ebenso wie Desillusionierungen anzeigen. Dass er nicht nur "lieb" und "sanft" ist, sondern durchaus auch problematisch und bedrohlich sein kann, die Dinge umwühlend, zeigt seine Waffe, der Dreizack.

Durch seine langsame Umlaufzeit ist im individuellen Horoskop seine Zeichenstellung weniger charakteristisch als die Hausstellung. Letztere zeigt den Bereich an, wo ein Mensch Zugang zu den höheren, nicht konkret fassbaren Schwingungen des Daseins hat, wo er sich von seiner inneren Stimme leiten lassen und Urvertrauen entwickeln kann. Die Hausstellung Neptuns sagt aber auch etwas darüber aus, wo sich der Betreffende Täuschungen hingibt und Enttäuschungen erlebt, wo er möglicherweise ein Suchtverhalten an den Tag legt und die Dinge mit einer rosaroten Brille betrachtet.

 

 

Denn, um glücklich zu sein, fordert es beim Menschen nicht bloß, daß er wohl versorgt sei, sondern auch, daß er glaube, er sei's.


Pestalozzi

mundanastrologisch

Neptun wird im Politisch-Gesellschaftlichen den humanitären Organisationen zugeordnet (Fürsorge, Wohlfahrtsverbände), zu Randgruppen ("Außenseiter", Schwache und Bedürftige, Elendsviertel). Außerdem zum Gesundheitswesen, zu Heimen, Krankenhäusern und Sanatorien.

Ansonsten untersteht ihm Atmosphärisches, d.h. Strömungen und Stimmungen bzw. Kollektivphänomene: Bewegungen wie Fundamentalismus, Kommunismus und Populismus - gerade wenn sie zu einer Vereinheitlichung und Gleichmacherei (Nivellierung, Ent-Individualisierung) führen. Er repräsentiert den ausufernden Konsum ("Süchte") und allgemeinen Sittenverfall , Rauschgiftaffären, Skandale, eine Schwächung von Institutionen und Währungen, etwa durch Kriminalität und Verschwörungen ("linke Sachen","krumme Dinger"), Korruption, Betrug und Intrigen. Wenn er kritisch steht, herrschen Chaos, Verwirrung und Lähmung in Wirtschaft und Politik. Zu ihm gehört desweiteren die Umweltverschmutzung , im Positiven symbolisiert er andererseits aber auch die Mystik bzw. das wachsende ökologische und spirituelle Bewusstsein der Menschen ("Alles ist eins").

Klimatisch zeigt er sich u.a. in Überschwemmungen, Wasser- und Gaskatastrophen. Im Transit löst er bestehende Strukturen auf, sofern sie überholt sind .

Der Meeresgott Neptun ist Herrscher des Tierkreiszeichens Fische, als solcher schon in der 'Astronomica' des Manilius erwähnt, d.h. lange vor der Entdeckung des Planeten, und in der Jungfrau im Exil. Erhöht ist er im Zeichen Krebs und im Steinbock im Fall. Im Schützen gilt er als Nebenherrscher von Jupiter.

 

 

Der Weise lebt
in der Einfalt
und ist ein
Beispiel für viele.
Er will nicht
selber scheinen,
darum wird er
erleuchtet.
Lao-tse

 


Am 4. April 2011 hat Neptun seine Reise durch das Fischezeichen begonnen. Vorerst wird er nur für vier Monate in seinem angestammten Reich verweilen, ab Februar 2012 dann für die nächsten vierzehn Jahre. Wenn Neptun sich leise aber mächtig nähert, lösen sich gewohnte Wahrnehmungsmuster auf. Die Welt verschwindet hinter einem Schleier und die Sehnsucht nach etwas Schönerem breitet sich aus. Die Ahnung, dass es noch mehr gibt als die rein materialistische Welt, verdichtet sich. Neptun in den Fischen verkörpert eine immense Sehnsucht nach dem Paradies. Aber auch die Verschmelzung mit dem Elend der Welt ist grenzenlos. Neptun verändert seine Gestalt ständig und ist schwer zu fassen. Im Zeichen Fische erst recht. Neptuns' schillerndem Wesen.

 

Erlösungssehnsucht ist ein uralter, eigenartiger und vielgesichtiger Dämon, der in den Herzen selbst der bodenständigsten und prosaischsten Menschen sein Unwesen treibt. Dieser Dämon strebt – zuweilen sehr beredt, dann wieder auf stille Art – nach einer dunkel geahnten Verschmelzung mit einem allwissenden, unerschöpflich liebevollen, nicht in Worte fassbaren Etwas außerhalb seiner selbst. Nur die allgegenwärtige Umarmung dieses Etwas kann uns über die eigene Sterblichkeit und die beängstigende Vereinzelung hinwegtrösten, die es, wenn auch unbewusst, im Leben eines jeden Menschen gibt.

Selbst wenn wir dieses Etwas nicht mit einem göttlichen Namen belegen und unsere Demut und Sehnsucht stattdessen auf einen als solchen unerkannten Ersatz dafür richten – etwa auf die Menschheit als Ganzes, die Familie, die Natur, die Kunst, die Liebe oder den Staat –, so ist unser Suchen doch unverkennbar und darf nicht mit anderen, stärker individuellen Gefühlen wie Verlangen, Leidenschaft, Liebe oder Bewunderung verwechselt werden. Charakteristisch für die Erlösungssehnsucht ist erstens, dass sie eine Sehnsucht ist; zweitens, dass sie zwanghaft und absolut ist und oft zu heftigen Konflikten mit individuellen Wertvorstellungen führt; und drittens, dass sie nicht nach Beziehung strebt, sondern nach Selbstauflösung.

Die Äußerungsformen der Erlösungssehnsucht reichen vom Inzest bis zur Transzendenz und stellen zudem ein tiefes moralisches Dilemma dar – umfassen sie doch neben unseren unzähligen Versuchen, das Ewige zu erfahren und auszudrücken, auch jene eher abschreckenden Aspekte wie Abhängigkeit, Verrücktheit, geistige und körperliche Desintegration, mit denen sich in letzter Zeit weniger die Religion als vielmehr die Medizin auseinander zu setzen hatte. Wir können einfach nicht mehr im Flüsterton von der Stimme Gottes sprechen, wenn vor unseren Augen eine konkrete Persönlichkeit oder ein individueller Körper unter dem Diktat dieser Stimme zerfällt und nicht einmal mehr mit den einfachsten Erfordernissen des Erdenlebens zurechtkommt. Ab wann ist denn ein Künstler nicht mehr bloß ein verrückter oder tragischer Fall, sondern ein göttlich inspiriertes Genie, dessen Exzesse toleriert werden müssen, weil sein Leid das unsere würdigt? Ab wann ist es aufgrund von Talent gerechtfertigt, sich ein Ohr abzuschneiden wie etwa van Gogh oder Vatermord zu begehen wie beispielsweise Richard Dadd, der – zweifellos auch durch seinen Namen dazu bestimmt – davon überzeugt war, sein Vater sei in Wirklichkeit der Teufel? Ab wann ist ein Seher nicht mehr verrückter Spinner, sondern Heiliger?

(..) Erlösungssehnsucht ist die Sehnsucht nach völliger Auflösung in den vorgeburtlichen Wassern des Mutterleibes und des Kosmos. Astronomen hatten den Planeten so getauft, noch ehe Astrologen darangingen, seine Äußerungsformen im Horoskop zu untersuchen. Es ist wohl unmöglich, das Phänomen einer derartigen Gleichzeitigkeit innerhalb des kausalen Rahmens einer modernen wissenschaftlichen Denkweise zu erklären. Dazu bedarf es eines anderen Bezugsrahmens – und vielleicht sogar einer anderen Weltanschauung. Meinen Erörterungen Neptuns liegen eigene Forschung und Erfahrung sowohl beruflicher als auch persönlicher Art zugrunde, und außerdem beziehe ich mich auf die Werke anderer, die im Bereich der Astrologie – und auf anderen Gebieten – über diesen Planeten geforscht und damit etwas zu unserem Verständnis beigetragen haben. Hätte man ihn nach einem anderen Gott benannt, der nichts mit Wasser zu tun hat – Pan etwa oder Vulkan –, so wäre ich zu dem Schluss gekommen, dass diese Namensgebung falsch ist. Wie die Dinge stehen, ist der gegenwärtige Name gut genug, wenn auch nicht völlig richtig: Neptun hätte nach einer Meeresgöttin benannt werden sollen, nicht nach einem Meeresgott. Jener Ursprung allen Lebens, mit dem wir verschmelzen wollen, trägt zwar einen männlichen Namen, doch er zeigt ein weibliches Gesicht.

Wer heute nur
immer das tut,
was er gestern
schon getan hat,
der bleibt auch
morgen, was er
heute schon ist.
Leonardo da Vinci

Die Sehnsucht nach Erlösung ist – um den unter Astrologen beliebtesten Schlüsselbegriff für Neptun zu bemühen – verwirrend. Manchmal gibt sie sich als hehres Streben aus nach dem, was uns alle vereint und umgibt. Dann wieder manifestiert sie sich als ein trauriges und oft auch entstellendes Festhalten an der Urfantasie von den Wassern der Gebärmutter – vor der Geburt, als es noch kein Leid gab, keine Trennung und keine Einsamkeit.

Das religiöse Schrifttum ist voll von ausführlichen, bewegenden Beschreibungen des Leids – und die psychoanalytische Literatur ist voll von schwierigen, oft unbeholfenen Beschreibungen von Getrenntheit und Einsamkeit. Beide haben einen wertvollen Beitrag zu unserem Verständnis von Neptun zu leisten. Im Innersten sind sich diese scheinbar so widersprüchlichen Seiten Neptuns gleich. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, in der diese besessene Sehnsucht erfahren wird – und in dem Maß, in dem sie Eingang in die individuelle Realität eines Menschen finden und sein Leben verbessern kann. Viele Astrologen belegen Neptun etwas vorschnell mit dem Attribut des "Spirituellen". Dabei gibt es einige so Grauen erregende Bewohner neptunischer Gewässer, dass sich der Weiße Hai neben ihnen wie eine Portion marinierter Hering ausnimmt; diese werden üblicherweise mit Euphemismen wie "Täuschung" oder "Illusion" abgetan. Andererseits liegt oft eine tiefe Bedeutung in dem verborgen, was gemeinhin Pathologie, Sucht oder Wahnsinn genannt wird. Der Einzelne, der unter dem Einfluss jener ganz eigentümlichen, neptunischen Art von Depersonalisierung steht, mag letzten Endes mehr und weiter sehen als der Arzt, der ihn behandelt. Was ist Betrug, was Illusion? Wer täuscht wen und in Bezug worauf? Und wer oder was bietet uns (wie jeder stark neptunisch beeinflusste Mensch fragen könnte) eine so zuverlässige Definition der Wirklichkeit, dass wir mit letzter Gewissheit sagen können, ob jenes Etwas, jener Gegenstand unserer Sehnsucht, nur Opium für das Volk ist, ob es wahrlich und wahrhaftig zu jener großen, transzendenten Einheit gehört, die wir das Leben nennen, oder ob es einfach nur ein anderes Wort für Mutter ist?

Copyright @ JoannaWRz.E-Mail:joannawrz@gmail.com
Copyright @ JoannaWRz.E-Mail:joannawrz@gmail.com

Literatur:

  • Liz Greene: Neptun - Sehnsucht nach Erlösung. Chiron Verlag, Tübingen, 2003.
Ein umfangreiches Werk (über fünfhundert Seiten), jedoch - durch seine ausführliche Amplifikation bzw. Schilderung der zugehörigen Mythologie - dem komplexen Thema angemessen. Sehr aufschlussreich. Auszug aus dem Buch
  1.  Wikipedia: Neptun (Planet)
  2.  Herbert Freiherr von Klöckler: Kursus der Astrologie, Band II: Grundlagen für die astrologische Deutung. Astra-Verlag Berlin 1952 S. 44 f. Zu Neptun hatte Klöckler um 1930 noch recht wenige Deutungsstichpunkte.
  3.  kursiv: Ergänzung, nicht von Klöckler.
  4.  Er ist insofern Gegenspieler von Saturns "Recht und Ordnung".

 

 

 

Hexen in Macbeth sagen:
Fein ist faul und faul ist fein. Lauernd wolln wir Dunst im Nebel sein.