Königin der Träume.

Autor :Ewa Glubińska- historyczka, feministka, wielbicielka herstories pisanych przez życie i tych fikcyjnych również.

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Königin der Träume

 

 

 

Wissen Sie, was„majestätisch“ bedeutet? Wie kann jemand majestätisch sich benehmen oder aussehen? Sie meinen wahrscheinlich „würdevoll“, „gemessen“, „hoheitsvoll“ oder „grandios“, „schwer“, „massiv“. Oder denken Sie vielleicht, dass ich ein falsches Wort benutze. Mein Deutsch ist doch fehlerhaft. Sie haben wohl Recht, für Menschen aber, die niemals meine Tante Gisela trafen, das Wort bleibt unsichtbar, verhüllt, leer. Nur Gisela könnte ganz und gar mit sich das Ausmaß ausfüllen.

 

Ihre Gestalt war riesengroß. Dick und hoch gewachsen, ihre Oberschenkel und Arme wie Baumstämme, mit horizontal vorstehende Brüste und stromlinienförmige Hüften. Gisela erschien wie ein Berg, hochmütig und majestätisch, eine Barockgöttin verloren in unserer abstinenten Epoche. Ich habe sie nur selten getroffen. Lange Zeit lebten wir in zwei verschiedenen Welten, die miteinander nichts gemein hatten wollen. Sie war deswegen eigentlich eine große Abwesende. Unzählige Briefe und vereinzelte Besuche. Das war ganze Gisela. Ihre Besuche, drei- oder viermalige, bleiben unvergesslich. Immer dann, nach dem Essen, und sie konnte unendlich viel essen, das war ihre erste Liebe, hat sie stets zu singen angefangen. Musik war ihre zweite Leidenschaft. Sie hatte eine wunderbare Stimme: stark, dunkel, fast ölig. Die klebte sich an den Zuhörer, die sowieso seit erstem Augenblick an ihren Sitzen befestigt seien, flog durch einen Raum vorbei, kletterte im Sopran hinauf, im Alt hinab irgendwohin. Gisela stand vor uns, wiegte mit breiten Hüften und sang immer kaum eine erste Strophe, die darauf nur wortlose Scat-Gesang, wie bi-bop-bop oder ta-ra-ra folgte. Danach alles wurde durch süßes Schnurren in Ach-dur (Tante hatte einzigartige Notation). Das war eben ihrer Schwachpunkt. Sie konnte keinen einzigen Liedtext auswendig lernen. Immer hat sie die Worten vergessen oder machte groteske Fehler. „Liebe“ verwandelte sich plötzlich im „Leben“, scheinbar banal „Mond“ unerwartet verpuppte sich in „Mund“, von „Glück“ blieb kaum „Blick“ übrig. Solche Fehler sind ihr in jeder Sprache unterlaufen: im Englisch, Spanisch oder Polnisch. Der Klang ihrer Stimme aber bleibt durch alle Jahren unverändert großartig. Trotzdem, bei jeder indiskreten Frage „wieso haben Sie keine Karriere gemacht? Mit Ihrer wunderbaren Stimme?!“, Gisela hör auf zu singen, erstarrte, und mit niedergeschlagenen Augen sagte sonst unbekümmert „wegen des Krieges“. Wir, die Familie, wussten, dass es nur eine Ausrede, kleine Lüge, damit ihr Mangel an Gedächtniskraft nicht ans Tageslicht kommen würde. Manche von uns behaupteten zwar auch, dass eine Art von Müdigkeit durch Worten, eine Erhebung der Musik über die Sprache ist. Man erzählte unter Verwandten auch herum, ein Stabschef dieser Fraktion mein Vater war, dass Gisela zu träge und zu überheblich ist, sich einen ganzen Liedtext zu merken. Die anderen aber haben jeweils dieselbe epischen Erzählungen über Krieg, Flucht, Vertreibung, Exile angehört müssen. Epochen mit Giftstacheln haben wenigstens einen Vorteil: sie machen es einfach die eigenen Irrtümer, Schatten, schlechte Enden mit einem Lauf der Geschichten, mit Geopolitik oder mit einem Schicksal, zumindest mit einem unpersönlichen Subjekt, erläutern. Das war auch bei ihrem letzten Besuch in Heimatstadt von uns alle. In L. Ein Freund meines Vetters, ein Jazzpianist, nach dem Giselas Show, die er mit Kulleraugen zuhörte, hat unvorsichtig diese ewige Frage nach der gescheiterten Karriere gestellt. „Weil man dahinter keine Orchester sehen konnte“ hat mein Vater gemurmelt. Seiner Meinung nach, Karriere von Gisela wurde durch Leidenschaft fürs gutes Essen und damit verbunden Körperfülle besiegt.

 

Diesmal aber brach Gisela die Routine durch. Sie fiel auf den Thron ihres Stuhles (hab' ich Ihnen schon gesagt, dass sie eine Königin war? Ich werde Ihnen es später genauer erklären) herab, und griff nach dem Teller mit einem Stück der Torte. Sie schob einen Löffel an den Mund und schüttelte mit dem Kopf. „Die Musik heutzutage ist zu modern und eigentlich habe ich zu viel Zeit für Leben, für Weglaufen vor Leben, für Sterben und Weglaufen davor vergeudet“. Dann, zum ersten und letzten Mal, offenbarte Gisela uns was anderes. „Die Torte“ zuckte mit Schultern „ihr alle habt heutzutage keine Ahnung davon, was lecker ist. Habt ihr von Herrn Cherubin jemals gehört? Nein? Kein Wunder. Diese Stadt ist längst gestorben. Die hat ihr Gedächtnis verloren. Also zuerst eine schmale und elegante Straße, mit hohen Häusern und einer Konditorei von Herrn Cherubin. Ein Jude, der die besten Keksen, Kuchen, Torten und Desserts hergestellt hat. „Das waren echte Süßmeisterwerken“ erzählte verträumte Gisela. Süßigkeiten von alten Cherubin waren ihre erste Leidenschaft. Die zweite war ein Sohn des Konditors – Cherubin Junior. Junior war ein Jazzmusiker. „Wie Sie“ der nach Jazzpianist gezielte Finger von Gisela, beinahe würde ihn eines Auges berauben. Jung Cherubin hat sie Musik gelehrt: Singen, Improvisation, Notenlesen, und verschwand zu Beginn des Krieges. Nie wieder hat man von ihm gehört. Sein Vater starb vor Hunger im Getto. „eine Ironie des Schicksals, nicht wahr?“. Später hat das Chaos der ersten Kriegsmonate alles umgekrempelt. Die neue Welt die alte ersetzt. Das deutsche Heer hat die Stadt besetzt, Tod versandte Briefe aus geheimen Kanzleien. Juden sind zu Getto gegangen, die Polen wurden aus der Stadt weggeschmissen (nicht alle, jemand hat doch gearbeitet müssen), nur die Deutschen konnten ohne Schwierigkeiten bleiben. Sie sagte „wir“. „Wer waren wir?“ fragte Jazzpianist, immer wieder sein rotes Auge massierend. „Wir, die Deutschen, die kaum Hochdeutsch sprechen konnten, die hier seit hundert Jahre oder länger lebten, und eine unerträglich komplizierte Abstammung hatten. Reichsdeutsche und die aus Baltikum mochten uns nicht. Und wir beneideten sie um alles. Die hatten: Selbstbehauptung, Selbstbestimmung, Selbstbeherrschung, Selbstbekenntnisse, wir hatten die unglücklichen Nachbarn in Getto oder im Durchgangslager. Wir standen in einer Schattenlinie, aber wollten wir das nicht sehen“. Ihre Familie gehörte zu den Schlimmeren. Zu viel Pole, Tschechen, Russen, und zu wenig Deutschen. Dritte Gruppe von Volksliste, der Giselas Bruder hat fast geweint. Sein Traum, ein echter deutscher Offizier zu werden, konnte dadurch nicht zur Erfüllung gehen. Letztendlich wanderte er zu Armee, das war aber später, wenn Gisela brach zu ihm jeder Kontakt. Niemals früher hat sie die ganze Sache verriet. Preis für Armee war Jazz. Gisela hat immer seltener die Schule („ein gutes Gymnasium, wirklich. Heute wäre ich nicht so dumm sein, solche gute Schule aufzubrechen“), immer öfter aber sang sie mit einer Gruppe im einen Stadtcafé. Nazis mochten auch kein Jazz, Musik der Schwarzen, für echte Arier nicht akzeptabel. SS-Offiziere und ihre modisch angekleideten Frauen aber hörten erstaunlicherweise gerne das Swing zu. Nur dort konnte sie die ganze Welt vergessen, die sehr schnell sich im Chaos - und Verbrechenbündel verwandelte. Es dauerte nicht lang. Die ganze Jazz-Gruppe wurde verhaftet. Eine Denunziation. Und ein Denunziant war der Bruder von Gisela. Er versuchte nicht einmal daraus ein Geheimnis machen. Ganz im Gegenteil und war stolz darauf: auf sein Tat, auf seine neue Uniform, und auf Einberufung zum Front. Er ist nach Osten gefahren und nie zurückgekehrt. Der Osten hat ihn gefressen. Otto und Oskar aus ihrem Band sind auch zum Opfer dieser kalten Einöde gefallen. Nur Wiktor gelangte südwärts, zum Auschwitz. Er hatte eine jüdische Mutter oder Großmutter. Die Gestapobürokraten waren sehr pedantisch, insbesondere bei Durchsuchung der Geburtsurkunden der ganzen Generationen. Wiktor wurde durch eine neueste Erfindung der Moderne – Gaskammer - gefressen. Ihre Freunde und ihre Welt sind zu Moleküle geworden, sagte sie. (Mein Vater hob seine Augenbrauen. Er gehörte großen Skeptikern, den Nichtglaubende an, die weder Metaphysik, noch eine molekulare Unsterblichkeit vertrauten). Nur wurde die Gisela, nachdem ihre Eltern eine saftige Schmiergeld gezählt haben, entlassen. „Schmiergeld?“ staunte mein Vater. „Stimmt“ antwortete Gisela „Die Schmiergeld. Meine Eltern verkauften alle Schmuck meiner Mutter. Ich war doch ihre geliebte Tochter“ (die Augenbrauen meines Vaters haben fast seine Stirn verlassen). Sie floh also aus Stadt L., und in Breslau bei einer Verwandte lebte. Dorthin hat sie nochmals das Ende der neuen Welt erlebt. Schlesien damals war ein Herz der Finsternis: Flucht, Vergewaltigungen, Bomben. Die Leichen konnte man leichter finden als etwas zum Essen. Millionen in dem mörderischen Griff des Krieges und Agonie eines Imperiums. Osten nahm seine Rache an dem Westen, eine Dämmerung mitbringend, ebenso voll mit Terror und Angst, wie ihr frisch besiegter Todfeind. Der Schwarz wurde durch das Rot ersetzt. Die Tarnung und ein Paradies für Chamäleons. Gisela floh zum Berlin und dort hat ihr Leben ohne Jazz und Singen angefangen. „Keine Zeit, keine Lust, keine Hoffnung“ sagte kurz zwischen Bissen der nächsten Stück der Torte. „Immer, wenn ich zu singen begann, das war alles außer Singen: Schrei, Heulen, Brüllen, aber kein Song“. Die Stimme und Musik hat ihr erst die Zeit zurückgegeben. Und der dritte Ehemann, ein reicher Geschäftsmann aus Florida. Erstmalig hatte die Gisela eine absolute Show, vollkommen perfekt. Wir alle, die Hörenden. waren wie gefesselt. „Wie kann man nach all dieser, ein Swing, Bolero oder sogar Oratorium singen? Das ist doch eine Imitation, ein Spiel, eine Lüge. Die Welt ist taub geworden“ fragte sie auf dramatische Weise, und legte ihre riesige Hand auf Kopf des Jazzpianist. Fragen Sie, warum nannte ich die Gisela eine Königen? Nach dem ganzen Drama, mit Jazz und Krieg (ich bin nicht sicher, was war ihr bedeutsamer), Gisela enthüllte ihre echte Begabung und Berufung. Eine Traumdeutung.

 

Schauen Sie mich nicht schief an, bitte. Ich bin nicht besoffen, noch nicht. Wir trinken doch erst unseren dritten Drink. Nein, ich glaube an der Esoterik nicht und nein, drin suche ich keine Magie. Sollte ich vielleicht einen dritten Sinn oder eine Intuition benennen. Gisela war königlich im Leben, mit ihrer hoheitsvoller Statur, mit einer offener Hand und mir schöner Stimme. Wachzustand lullt oft Intuition ein. Gisela im Leben war praktisch, spöttisch, rau. Meistens unerträglich, was könnten ihre alle drei Ehemänner bezeugen. In ihren Träumen aber, Gisela war eine ganz andere Person. Sie beschrieb ihre Traumleben in endlos lange Briefen an meine Großmutter. Das waren separate Lebensläufe, Dutzende alternativen Viten, in den alles war möglich. Gisela war in innen alles: eine Mädchen, weltberühmte Diva, ein buddhistischer Mönch, eine Panther sogar, aber niemals sie selbst. Und lebte immer, in allen Epochen, hatte keine Reue gegen Vergangenheit, keine Erinnerungen also, und überwältigende Zukunft. Immer in tausenden Varianten. Sie konnte endlich frei sein. Meine Großmutter las ihre Briefe misstrauisch und nur mit ihrem Kopf geschüttelt. Mit der Zeit jedoch, Giselas Träume und Briefe begann, sich zu verändern. Ihre Psyche übertrug die Nachrichten in den Familiensachen, zeigte unsere Schicksale, informierte selbst über Weltpolitik, die große Dingen also. Gisela hat leichtsinnig alles in ihren Briefen mitgeteilt. Damals, in Volksrepublik Polen, in der Zeit des Kommunismus oder Sozialismus (bis heute sind wir nicht sicher, was es wirklich war, das nicht mehr existierendes Staat), hielten wir es als bedrohlich. Es sprach sich herum, dass Kommunisten mit ihrem Sicherheitsdienst, alle Post aus dem Ausland kontrolliert haben. Unsere traumartige Ella Fitzgerald hatte keine Feinfühligkeit für arme Zensoren. Ihre düsteren Prognosen von dem Fall des Bestie, des Kommunismus, des Osten überhaupt, versteckten sich zwischen Kochrezepten (Berlin mit dem ersten Ehemann, ein Restaurator), kamen aus französischen Sätze (Paris, zweiter Mann, ein Journalist) heraus, erschienen in voll begeisterten Beschreibungen von Ausflügen in die Karibik und Clubs-Konzerte ( dritter Gatte, dieser reiche Geschäftsmann aus Florida. In dieser Zeit fing Gisela an, wieder zu singen). „Verlasst dieses schreckliches Land“ schrieb sie ständig oder „keine anständige Menschen sollen in Kommunismus bleiben“. Ihre Ratschlägen gingen selbstverständlich aus ihren Nachträume, erfüllten mit Untergang, Explosionen, Feuer und Ruinen. Fragen Sie, ob hatten wir deswegen die Schwierigkeiten von den Behörden bekommen? Keine. Die Briefen von Gisela haben lediglich einen kleinen Krieg in unserer Familie erregt. Mein Vater war ein Parteimitglied, ein Kommunist (er selbst sagte immer „ein Sozialist“). Die Briefe von Gisela waren ein Skandal für seine Weltanschauung. „Die alte Irre“ schrie er „ich will keine Probleme wegen ihren blödsinnige Briefen haben!“. „Sie hat doch recht“ behaupteten dagegen meine Großmutter „du siehst doch, dass ihre Traumdeutung richtig ist“. Gutmütige Oma war schon lange in Griff von unsere Traumdeuterin, die nämlich einmal einen prophetischen Traum hatte, in dem sah sie eine Schwester meiner Großmutter, Tante Helena, im einen Autounfall tödlich verunglückte. Gisela hat sofort einen Brief mit alarmierenden Warnung geschickt, war aber zu spät. Als die Post uns erreichte, arme Helena lag im Sterbebett, durch einen Gasleck vergiftet. Meine Großmutter vergaß schnell kleinere Ungenauigkeiten in der Vorhersage. Wichtiger war ihr die Tatsache, dass die Schwester wirklich starb. Von dieser Zeit Gisela ist eure Prophetin, Beraterin bei Eheschwierigkeiten, Probleme mit Kindern, alle wichtigen Lebensentscheidungen, geworden. Sie schaffte sogar, einige Verwandte aus Polen nach Westen herauszuziehen. „Ich würde dich wohl umbringen, wenn du auf dieses Weib hören wirst“ wiederholte mein Vater. Er hatte Angst, dass ich auch auswandern könnte. Für ihn das wäre eine Niederlage. „Vom Exil kommt man nicht zurück“ war sein Lieblingssatz. Dann immer die Großmutter, manchmal mit einer Unterstützung der anderen Verwandten, hat immer mit ihm gestritten. „Keine Zukunft“ war dabei ebenso wichtig, wie mögliche Verhaftung wegen der Studentenproteste oder Hoffnungslosigkeit damaliges Systems, Gisela warnt doch seit Jahren. Mein Vater aber offenbarte sich von Zeit zu Zeit als ein Genie des letzten Wortes. Einmal schloss er eine solche Debatte mit treffsicherem Schuss. „Tja, diese Gisela. Eine Königin von düsteren Träume“. Welt nach Gisela, die er abscheulich fand. Das war ein Tag einer Krönung.

 

Fragen Sie, was war weiter? Gisela konnte endlich über Spotten meines Vaters triumphieren. Ich wurde verhaftet, zwar für eine kurze Zeit. Ende Achtziger Kommunismus hat seine Giftzähne schon verloren. Alles zerfiel: Volksrepublik Polen, DDR, Sowjetunion. Alte Landkarten ging in ihre Hölle, die seit Anfang der Zeit mit Karten der allen gescheiterten Staaten vollgestopft ist. Wir hatten alles neu: das Staat, die Ordnung, und Leben. Ich habe die Beratung meiner Königin gefolgt. Ich habe von Norden nach Süden, von der Dunkelheit des Mitteleuropas zum Sonne des Mittelmeeres abgehauen. Es ist dort heiß, laut, bunt. Zu laut, eigentlich. Königin Gisela hatte auch damit recht. Je tauber ist die Welt, desto lauter sind die Menschen. Zu lange konnten wir nur im Schlaf sprechen, und hörten auf einem System. Wir, die Mitteleuropäer. Ich fuhr dorthin, wo konnte ich schreien lernen. Gisela war stolz auf mich. Mein Vater nicht. Für ihn stand ich auf einer falschen Seite. „Du übst tausende blöde Jobs, du hast nichts!“. In seinem Augen war ich ein Diener von Gisela, Kapitalisten, dunkle Kräfte überhaupt. Ein armer Aussteiger aus geschichtliche Notwendigkeit. Wir hatten jahrelang nicht miteinander gesprochen. „Don't worry, be happy“ schrieb mir mehrmals Gisela „heile Deine Farbenblindheit und Taubheit“. Nach Jahren im Süden bin ich geheilt. Ich überschritt so viele Grenzen, dass ich einer Nomade als meinen Schutzpatrone wählen könnte oder einen Reiseroman oder vielleicht eine Reiseballade schreiben, die Gisela mit ihrer Stimme wie bitter Schokolade aussingen könnte.

 

Wie geht es meine Königin, fragen Sie. Gisela erträumt Tod meiner Großmutter, Ende des Kommunismus, politische Karriere meines Vaters. Ja, er ist zu ein Politiker geworden. Ein Liberale. Eine historische Notwendigkeit, nach dem Lifting diesmal. Gisela verwitwete und begann esoterische Bücher zu schreiben. Briefe von ihr waren immer selten, und bald alles vorbei war. Ihre Nachbarin hat sie bewusstlos gefunden. Seit fünf Jahren liegt meine Königin in Koma. Nein, wahrscheinlich wird sie nie wieder wach sein. Sie lag schlafend in ihrem Leib. Es gibt doch so viele Träume zu erleben.

 

 

 

 

 

Autor :Ewa Glubińska.